Category: seltsame Welt

…und damit nicht genug…

Der gestrige Eintrag war nicht alles, nein, kurz danach folgten noch Begegnungen mit MC Hammer, einer Harvardprofessorin, dem Guiness-Buch der Rekorde (ob unser Rekordversuch aufgenommen wird, ist noch nicht klar – es gibt Konkurrenten), einem 15sprachigen Straßenmusiker namens Norbert, einem Hippie, der Präsident werden will und bis dahin in Touristenfotos winkt, und sicherlich noch weiteren Menschen, die mir gerade entfallen sind.

freundlicher Eingeborener

Hier Captain Democracy, der Hippie mit präsidialen Ambitionen. Kameras mag er schon jetzt.

Langweilig wirds hier nicht.

Andere Länder, andere…

Da reist man durch die Welt, studiert interkulturell kommunikativ, zieht in ferne Länder, wähnt sich tolerant und weltgewandt – doch manchmal, urplötzlich, stößt man dann an seine Grenzen. Man läuft durch Dublin, beispielsweise, und freut sich an bunten Eingangstüren (der Sage nach haben sie alle eine andere Farbe, nachdem ein beliebter Bürgermeister abends gern dem Alkohol zusprach und eines Nachts einen Herrn verprügelte, der ihm vermeintlich gerade hatte Hörner aufsetzen wollen. Allerdings hatte er sich in der Tür geirrt. Um solches in Zukunft zu verhindern, wurden die Dubliner Türen bunt gestrichen… erzählte man mir). Wie hübsch!, denkt man sich, welch nettes Land! Dann jedoch, urplötzlich… siehe rechts.
Die spinnen, die Iren, denkt die tolerante Reisende politisch nicht ganz korrekt, und geht ihrer Wege – etwa nach Polen. Ebenso katholisch, ebenso offen beim Thema Endverdauung? Die öffentliche Beschilderung (überall! Überall WC-Schilder, aber noch nie habe ich eine öffentliche Toilette bemerkt?) deutet darauf hin, dass das Gegenteil der Fall ist, dafür aber die persönliche Hygiene großgeschrieben wird. Mysteriös. Sehr, sehr mysteriös.

Wenn man dann allerdings in öffentlichen Gebäuden in Polen doch auf sanitäre Einrichtungen trifft, gilt es, eine weitere Hürde zu überwinden: Auf den Türen prangen gewöhnlich ein Dreieck und ein Kreis. Allein – was ist was? (Sehr grundlegende physische Unterschiede machen Frauen zum Kreis und Männer zum Dreieck. Erklärte man mir.)

Reisen bildet eben.

A. im Wunderland

Heute in der U-Bahn, von der Arbeit heimkehrend, hörte ich gedankenverloren meine Mailbox ab und starrte, urban unkommunikativ, auf die Tunnelwände. Plötzlich betrat ein Mann, seiner Alkoholausdünstung auf dem Fuße folgend, mein direktes, als meins empfundenes Umfeld und zeigte gestikulierend immer wieder auf seinen Oberkörper. Ich war eigentlich nicht gewillt, ihm Aufmerksamkeit zu schenken und murmelte “Nein danke”, ein Almosengesuch vermutend, doch plötzlich legte er mir etwas auf die Schulter.

“Hier, Süße, für Dich.”
– “…? Nee, danke, echt nicht…”
– “Ich schmeiß es sonst nur weg. Guck, ich hab das schon.”

Halb hochblickend sah ich nun: Er wollte meine Aufmerksamkeit auf sein T-Shirt lenken, von dem mich ein rosa Kaninchen anlachte. (Zuvor hatte ich nur die über und über mit einer wilden Schlüsselring-Karabinerhaken-Applikation beschwerte Cargohose bemerkt.) Er ging weiter: Offensichtlich tatsächlich ein Geschenk?
Da es nun auf meiner Schulter lag, schien es notwendig, sich damit zu befassen. Ich stellte nunmehr fest, dass er mir ein identisches schwarzes Shirt geschenkt hatte, mit einem Hasen, der sich über zwei überkreuzte Knochen in der Pfote enorm zu freuen schien, und der Aufschrift “Jungbloody”.
Soso.

Ein unerklärtes rosa Kaninchen? Spontan hatte ich das Bedürfnis, mich in ein Erdloch zu werfen und mich im Wunderland wiederzufinden, aber es war keins in der Nähe.

Als ich an der nächsten Station aus der Bahn stieg, mich mit dem Mädchen mir gegenüber verwirrt über spontane Geschenke unterhaltend, sprang er uns im letzten Augenblick hinterher, die Türen aufhaltend:
“HEY!”
(Jetzt kommts? Er will Geld, Leben, beides?)
“Ey, gebt mir eure Karten!!”
Unsere was?!
“Los, Mädels, wenn ihr mir schnell Eure Nummern gebt, nehme ich euch heute abend mit zu Udo Lindenberg!”
Äh…
Vielleicht war es die Alkoholfahne, die uns abhielt, aber wir sahen beide von einer abendlichen Karriere als Groupie ab. Immerhin bin ich um ein T-Shirt reicher.