Category: weite Welt

28.9.11

Istanbul! Istanbul ist ohnehin toll, aber noch besser, wenn man mit jemandem reist, der die Stadt kennt und Türkisch kann. Dann landet man zum Beispiel abends in einem großen Straßencafé, isst frische Feigen, freundet sich mit Shishas an und freut sich generell, abends ohne Jacke draußen sein zu können (für Irlandbewohner an sich schon sehr erfreulich).

3.8.11

Venedig
Venedig

Ein wenig verblüffend ist es ja schon, wie klein Europa dank Billigfliegern geworden ist – und wie jetsettend das Leben, wenn man eine Fernbeziehung zwischen Irland und Deutschland führt und sich dann in Venedig trifft, um von dort mit dem Mietwagen nach Österreich zu fahren.

Da die Flugzeiten nicht besonders gut abgestimmt waren, hatte ich einen ganzen Nachmittag Zeit, um in Venedig herumzuwandern. Ich fragte mich dabei die ganze Zeit, ob die Wäsche dort vom Fremdenverkehrsamt an strategisch günstigen Stellen platziert wird, um das Italienklischee zu bedienen, oder ob tatsächlich die Ureinwohner dort täglich ihre Schlüpfer von den Touristenscharen ablichten lassen und sich daran nicht weiter stören. Außerdem frage ich mich, wie oft dort Wäsche in einen Kanal segelt, wenn sie denn wirklich authentisch sein sollte.

Es ist ja alles sehr pittoresk, aber ich kann mir absolut nicht vorstellen, wie es sein mag, dort zu wohnen, den Touristenhorden so ausweglos ausgeliefert – die Schleichwege sind ja recht begrenzt, wenn man alle paar Meter auf einen Kanal stößt. Man muss schon überzeugter Philanthrop sein, um da nicht irgendwann völlig auszuhaken, nehme ich an.

26. März 2011: Lustwandeln in Hollywood

Marilyn und ich
Posieren mit Frau Monroe

Wenn man im Regen in Santa Monica ist, stellt man fest: Diese Stadt (dieser Staat?) ist nicht darauf ausgelegt. Der Strand: Unattraktiv, da ohne Unterstellmöglichkeit. Außerdem… Strand im Regen habe ich zur Genüge in Irland, und ich muss feststellen, dass der Pazifik ohne Sonne deutlich weniger hermacht. Die Einkaufsstraße: Eine Fußgängerzone – also keine klimatisierte Mall, in der ganzjährig die gleichen Wetterbedingungen herrschen. (Außerdem hat man die nach ein paar Tagen Regen auch recht satt, denn so besonders aufregend ist sie auch nicht.)

Was also tun? Vor allem ohne Auto? Ein Touristenbus schien eine gute Idee: So kann man sich im Trockenen fortbewegen, sieht etwas mehr von Los Angeles und kann an interessanten Stellen aussteigen und flanieren, um die Fahrt später fortzusetzen. So die Theorie.

Hollywood lacht
Hollywood am Horizont. Sieht im Fernsehen schöner aus.

Allein: So entspannt, wie es sich zuerst anhörte, war es dann doch nicht. Die Busse sollen eigentlich alle halbe Stunde fahren, ließen aber sehr auf sich warten. Außerdem sind die Entfernungen riesig – ich habe von Santa Monica aus nur die Beverly Hills- und Hollywood-Tour gemacht, bis Downtown LA reichte die Zeit gar nicht. Auf der Karte ist das nur eine winzige Ecke von L.A., aber die Rundfahrt war auch so schon gut 70 Kilometer lang.

Hop-on, hop-off
Ein Bus, nur für mich

Und dann kommt das Hauptproblem: Die “interessanten Stellen”, an denen es das Touristenherz quasi aus dem Bus hüpfen lässt, all dem Glamour entgegen. Denn daran mangelt es mehr, als es selbst den vorgewarnten Reisenden erwarten lässt. Santa Monica und Venice Beach sind, so am Strand und unter Palmen, noch recht angenehm. Alles andere gen Inland ist unsagbar hässlich – sechsspurige Straßen und uninteressante Läden an den Straßenrändern (chinesische Waschsalons, Autowaschanlagen, Fast Food-Drivethroughs). Manchmal ist es dann abrupt ein paar Meter lang grün an der Seite (irgendwo dahinter ist dann wohl die Nobelgegend von Beverly Hills – während ich verstehe, dass sie keine Touristenbusse vor der Tür möchten, könnten sie aber trotzdem ihr Viertel hübscher gestalten) oder der Bus biegt um eine Ecke und man sieht sich verwirrt um: Aha, Rodeo Drive, sieht aus wie eine Replik einer westdeutschen Kleinstadt-Einkaufszone. Nur halt teurer.
Der Touristenbus beschallte einen vom Band (bzw. nur mich, der Bus war ansonsten leer) lautstark mit der Nachricht, man solle rechts und links gucken, da alles von Berühmtheiten wimmelt – ich bin nicht sicher, ob ich aktuelle Berühmtheiten kenne, bin aber recht sicher, dass ich andere Touristen gesehen habe, die wiederum eine Berühmtheit sahen: Sie standen als Horde vor Fendi und zeigten aufgeregt hinein. Wahnsinn. Welch Glamour… und wie unspaßig es sein muss, inmitten dieser wildgewordenen Touri-Scharen berühmt zu sein.

Beverly Hills, so glamourös
Beverly Hills: Glamour pur.

Irgendwann wurde der Sprecher vom Band ganz aufgeregt: Dort! Das Ortseingangsschild von Beverly Hills! Angeblich eins der meistfotografierten Schilder der Welt! Ab hier sind die Berühmtheiten noch dichter gesät!! Hm. Links ist erwähnter Grünstreifen, aber der war nicht nennenswert glamouröser als, sagen wir, der Siekerwall in Bielefeld. Und so richtig idyllisch platziert ist dieses Schild dort auch nicht. Meine Aufregung hielt sich also sehr in Grenzen, und zu meiner Enttäuschung waren weder Tori Spelling noch Shannon Doherty oder Jason Priestley unterwegs (die ich persönlich mit Beverly Hills verbinde).

Ich bin dann pflichtbewusst zwischendurch ausgestiegen und eine Straße voller Second-Hand-Läden langgelaufen. Hm. Uninteressant. Irgendwann bin ich, meiner minimalistischen Karte folgend, links abgebogen, sicher, dass bald unglaublicher Glanz am Horizont erstrahlen müsste: Der Walk of Fame, die Stätte der Oscarverleihung, die Handabdrücke im Beton – doch sicherlich ein beeindruckender, ehrfuchtgebietender Ort, der mich endlich für Los Angeles begeistern würde?

Wo ist hier bitte der Glamour?
Nix mit Glanz und Gloria.

Nun. Also. Geht so. Also eher nicht so. Außer, man findet Einkaufszentren ansprechend. Nett war zumindest, dass Marylin mich dort begrüßte und wir uns kurz gemeinsam den Paparazzi zeigten. Ansonsten trampeln dort aber Hunderte von Touristenfüßen auf den betonierten Gedenkplatten für allerlei Stars herum. Japanische Reisegruppen setzen Ellenbogen ein, um einige davon für die Dauer einer Fotoaufnahme frei von anderen Menschen zu halten, was das gesamte Unterfangen recht gefährlich gestaltet. Andere Menschen traten auf Zsa Zsa Gabor ihre Kippe aus. Respektlos. Und die Straße davor war eine völlig durchschnittliche Einkaufsstraße mit den Standard-Mittelklasseläden. Ich muss also zusammenfassend feststellen, dass ich sehr beeindruckt bin, dass die Oscar-Organisatoren diesen Ort so glanzvoll wirken lassen, und würde ihnen dabei gerne über die Schulter schauen.

Aber ich habe auch etwas gelernt: Meine Füße sind kleiner als die von Arnold Schwarzenegger. Aber im Gegensatz zu ihm bin ich nicht sicher, ob ich dorthin zurückkehren möchte.

Terminator-Fußstapfen
Arnold will be back, ich nicht.

Holländische Mondlandschaft

Karten können täuschen: Auf der Landkarte sieht das Oosterschelde-Sturmflutwehr recht interessant aus – man plant ja nicht einfach mal so, ein Meer über mehrere Kilometer vom Land abzusperren. In der Mitte dieses Riesenbollwerks ist eine kleine Insel, und wenn man sie ansteuert, locken einen Schilder auf einen Parkplatz für einen Familienspaßpark. Ich weiß nicht, mir scheint, Holländer stellen sich Spaß anders vor als ich. Wenn man auf den beworbenen Parkplatz fährt, so landet man direkt auf dem Mond, zumindest im März. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass auch bei größerer Besucherdichte das folgende Panorama heiter wirkt:

Vielleicht erfährt man dann auch, wohin dieser Geselle zeigt (bisher denkt man nur “Vielleicht ist es da besonders trist?”):

P3145398

Und hätte ich ein gigantisches Wehr, würde ich mir irgendwas einfallen lassen, um es besser zur Geltung kommen zu lassen. So war es, trotz seiner Größe, nur mittelaufregend.

Osterschelde

So steht man da ein wenig unschlüssig im Dunst und fotografiert um sich herum – links oder rechts macht da gar nicht so einen großen Unterschied.

Sieht eh überall gleich aus

Sonne in Zeeland!

Trampoliiiiin

Nun gut, ich verzeihe der Witterung, denn nach allgemeinem Nebel kommt nun die Sonne zum Ausgleich so motiviert durch, dass man draußen frühstücken konnte (im T-Shirt!) und daraufhin das ferienhauseigene Trampolin nutzen kann, um das großzügige Mahl wieder abzutrainieren. (Es ist erstaunlich, wie anstrengend das plötzlich ist. Als Kind im Turnverein schien das weniger zu schlauchen. Egal: Juhuuuuuuu, Trampolinspringen. Sehr stimmungshebend.)