Category: weite Welt

30.1.12

London Heathrow, irgendwo während der Wanderung von Terminal 3 zu Terminal 1, oder weiter gefasst: Irgendein Rollband zwischen Los Angeles und Dublin. Wenn ich Tabletten gegen Reisekrankheit nehme, dann wirkt das wie ein Schlafmittel – das hat einerseits Vorzüge (12 Stunden Flug vergehen scheinbar schneller, 5 Stunden Wartezeit in London sind einem recht egal), andererseits führt es aber auch dazu, dass man Dinge vergisst, wie zum Beispiel Jacken im Gepäckfach, während man das Flugzeug verlässt. Und wenn man dann nach 10 Minuten zurückeilt, ist das Flugzeug natürlich zu und man fühlt sich recht ratlos. Am Ende läuft man dann kilometerweit durch Heathrow, reist kurz nach Großbritannien ein, findet einen zuständigen Schalter, sammelt irgendwo die Jacke ein und wandert erneut kilometerweit zum nächsten Terminal. Doch auch dabei hilft Vorzug 1: Eigentlich ist einem das alles egal, und es vertreibt ein gutes Stück öde Wartezeit.

29.1.12

Irland hat ringsumher Strände, California nur im Westen. Beide sind hübsch anzuschauen, und doch: In Irland fehlen stets rund 15°C Lufttemperatur, um sich wirklich darüber freuen zu können. Ich stimme für einen Austausch zwischen Kaliforniern und Iren, um ersteren ein wenig Klimawertschätzung beizubringen und bei letzteren Depressionen einzudämmen.

26.1.12

 

Gegenüber vom Büro: Ein Clown im Tutu… ein wenig wie bei Stephen King, und ich habe noch nicht herausgefunden, was es mir eigentlich sagen will. Aber vor blauem Himmel ist alles hübsch, besonders im Januar, während man im T-Shirt zur Arbeit läuft.

24.1.12

San Francisco macht sich recht gut als Frühstückskulisse, muss ich sagen – es war etwas seltsam zwar, dass der Frühstücksraum unseres Hotels fast unbeleuchtet war und man sich im Dunkeln zu seinem Orangensaft vortasten musste, als sei es spät nachts und das Getränk eher ein Absacker als ein Aufwecker.

Aber immerhin hat man so den direkten Blick aufs Stadtbild. Es ist nur ein paar Blocks vom Union Square entfernt, wo sich Designerladen an Designerladen reiht (nur alle Buchhandlungen sind eingegangen). Und doch ist hier schon wieder eine Zone, in der eher Wahnsinn und Obdachlosigkeit regieren als Konsum — das ist in San Francisco oft nur eine Entfernung von 100 Metern, und man sieht statt Glamour nur noch Gammel. Man muss jedoch feststellen: Der irre Glanz, den die einen in den Augen haben, wenn sie in ein Prada-Schaufenster starren, der ist gar nicht so anders als der in den Augen derer, die den ganzen Tag in eine Decke gewickelt durch die Straßen streifen und ihre Sorgen lautstark dem abgewetzten Stofftier in ihrem Arm erzählen, das wohl ihr einziger Gefährte ist.

22.1.12

San Francisco ist ein hübscher Ort zum Spazierengehen – im Gegensatz zum Großteil amerikanischer Städte kommt man hier recht gut ohne Auto zurecht. Wenn das Hotel zentral gelegen ist, kann man sehr gut gegen das Jetlag anlaufen und dem Schlaf widerstehen, indem man sich in die Straßen von Chinatown stürzt.

Mit Jetlag, völlig übernächtigt und ohne Zeitgefühl, scheint die Welt ohnehin recht surreal. In Chinatown fühlt man sich dann komplett außerhalb der normalen Realität – hat man sich im Kontinent geirrt? Befreundete Asiaten bestätigen, nie so viel Chinesisch außerhalb Asiens gehört zu haben, und bestätigen, dass die Küche authentisch und die Gerüche asiatisch sind.

Am faszinierendsten aber sind die Geschäfte voll mit buntem Kitsch – Wände voller Hello Kitty, Regale, gefüllt mit solarbetriebenem Spielzeug (nickende Affen, auf dem Klo lesende Bären, wippende Blumen, kopfschüttelnde Eulen), knallbunte Kleider aus falscher Seide, Jadeschmuck, Gummipüppchen in Form von Bibliothekarinnen (“Librarian Action Figure!!!”) oder Paparazzi oder Wall Street-Aktienhändlern, daneben winkende Glückskatzen, chinesische Münzen, Teegeschirr, Scherzartikel, seidenbezogene Schmuckschatullen, Nippes jeglicher Art, Küchenartikel, Regenschirme, geformt wie Geishas – und direkt daneben unzählige Geschäfte mit identischem Sortiment. Wenn man kurz nach dem chinesischen Neujahr kommt, wird man zwischendurch von Chinaböllern aus der Trance gerissen, guckt sich verwirrt um und wird dann direkt von einer Wand voller Handydeko-Anhänger jeglicher Größe und Form abgelenkt. Es ist grandios.

21.1.12

 I went to San Francisco, aber es war nicht so richtig Wetter für Flowers in my Hair. Aber es war trotzdem schön. Das Einzige, was mich noch immer irritiert: Frisch angekommen und im Hotel eingecheckt bin ich sofort in die Welt aufgebrochen – bei acht Stunden Zeitunterschied und 12 Stunden Flug schien das der beste Weg, um sich möglichst schnell an den Zeitunterschied zu gewöhnen. Und da ich das nicht zum ersten Mal mache, war die Idee, einen guten Teil dieser Zeit in der Buchhandlung am Union Square zu verbringen – dort war ein großer Borders. War.
Ich frage mich, was es über ein Land aussagt, wenn es in einer riesigen Einkaufszone mitten in der Stadt, in der es einen eigenen Stadtplan nur für die Hunderte Geschäfte gibt, und in der sich jeden Tag Tausende Kaufwillige von Laden zu Laden schieben – nicht eine einzige Buchhandlung gibt. “Hm”, sagte der dynamische, jugendliche Verkäufer im riesigen, überfüllten Apple Store. “Hm, stimmt, wenn ich so drüber nachdenke, dann gibt es hier gar keine Buchhandlung mehr. Ich weiß auch gar nicht, wo die nächste sein könnte.” Immerhin hat er davon abgesehen, mir ein iPad und Apples ebook-Angebot anzupreisen – das wäre vielleicht kein schlechter Aufhänger gewesen.