Category: Sommer

Die Insel des ewigen Aprils

Irland: Insel des ewigen Aprils

Irland macht es einem nicht allzu leicht, sich hier uneingeschränkt wohl zu fühlen. Fast scheint es mir, als habe es mich mit dem ersten Sommer hier einlullen wollen: Ich erinnere mich an so unerhörte Dinge wie Fußballgucken im T-Shirt, abends, ohne zu frieren – all die Klagen der Leute, die schon länger hier wohnen, schienen übertrieben, und man dachte sich, dass es doch eigentlich ganz in Ordnung ist hier.

Dann kam das letzte Jahr – Bierbrauer warben hier mit Apps, mit denen man Freibier erhielt, wenn es über 20° warm wurde – kein großes Marketingrisiko, denn das war es nur an vier oder fünf Tagen. (Ähnlich ungefährlich waren dieses Jahr die Aktionen einiger Pubs, bei einem Irlandsieg während der EM Freibier zu versprechen: Sie haben ja nicht ein einziges Spiel gewonnen.)

Dieses Jahr war es zumindest im Mai eine knappe Woche lang so warm, dass man sogar die Strandnähe nutzen konnte und, in windstillen Ecken, auch als Kontinentaleuropäerin bedenkenlos Sommerkleidung tragen konnte. Eine Woche also, in der auch Irlandskeptiker plötzlich glücklich über ihre Wohnortwahl waren, in der auch Sonnenfreunde strahlend durch die Straßen liefen und man einen verblüffenden Energieschub verspürte, den man in klimatisch günstigeren Regionen so vielleicht nie erlebt.

Doch danach war damit wieder alles vorbei – wir haben das Aprilwetter wieder. Ich war heute recht dankbar, eine Terrasse zu haben, denn so konnte ich im Halbstundentakt immer kurz die Sonne genießen und mich zum nächsten Regenguss wieder ins Haus verziehen.

irische Sommerschuhe

Meine neuen Sommerschuhe hier haben den Vorteil, ganzjährig tragbar und immer passend zu sein, denn Jahreszeiten gibt es ja eigentlich nicht. Deprimierend wirkt es nur, dass die Geschäfte hier die gleichen luftigen Kleidchen und Sandalen anbieten wie in Gegenden, die tatsächlich Sommer haben – und dass Irinnen sie auch tapfer anziehen (und erstaunlich selten verfroren wirken, das muss das lebenslange Training sein. Oder eigentlich ist mittlerweile meine Theorie: Wahrscheinlich war ihnen in ihrem ganzen Leben einfach noch nie wirklich warm und sie wissen gar nicht, was ihnen entgeht).

31.5.12

Unsere Straße scheint ein Paradies für Schnecken zu sein – überall kriecht es munter vor sich hin. Was mir aber nie klar war, ist, wie akrobatisch diese Tierchen werden können. Hier schneckt eine an einem Draht entlang. Beeindruckend war auch, die, dich ich innen an meiner Gardine im 1. Stock fand: Anscheinend war sie also die Ziegelmauer hoch, die Gardine außen herunter- und dann um den Saum herum wieder hochgeschleimt und saß da auch recht sicher und beobachtete mich. Ich habe sie dann aber doch ins Grüne getragen, so richtig schneckenoptimiert schien mein Zimmer mir dann doch nicht zu sein…