Auf zu neuen Ufern

Okay, was die neuen Ufer sind, weiß ich noch nicht so genau (außer dass sie in Köln liegen, fürs Erste), aber zumindest weiß ich, welche ich zurücklasse: Nämlich mein hübsch buntes Büro. Interessanterweise sieht es in diesem Bild aus, als ob mein Kollege der wahrscheinlichere Umzugskandidat ist (wer weiß, vielleicht möchte er ohne mich auch nicht mehr dort arbeiten – so leer sah ich seinen Tisch selten). Allerdings sind die Umzugskartons neben meinem Tisch ein Indiz, dass auch für mich das Ende nah war.

Letzter Tag im Büro

Mittlerweile habe ich meinen Tisch geräumt, von den Kollegen einen Guinness-Tukan zum Abschied bekommen, irische Abschiedsdrinks konsumiert (ein Guinness und Jameson’s), heute versucht auszuschlafen, um irgendwie zu feiern, dass ich nicht arbeiten muss (denn bisher scheint es mir noch überhaupt nicht so, als wäre es das nun gewesen) und widme mich nun der Umzugsplanung. Eine Handvoll Kollegen wird in den nächsten Tagen vorbeikommen, um ausgewählte Ikea-Möbel von mir zu erstehen, ich versuche, meine innere Minimalistin zu erwecken und streng auszusortieren, und generell frage ich mich, wo diese Dinge alle herkommen und wer sie hier hingestellt haben mag – ist das alles meine Kleidung? Mysteriös, fürwahr.

Irgendwann demnächst wird dann hoffentlich alles mal etwas entspannter, denn im Moment scheinen mir meine Tage ein wenig zu voll. Die letzte Woche etwa: Schon einmal anfangen zu packen, meinen grünen Gürtel in Lean Six Sigma erworben, mein Wissen in Übergabedokumenten zusammengefasst, nach Deutschland geflogen, Menüplanung für die Hochzeit finalisiert, einen Fascinator gebastelt, meine Haare bei einem Probetermin zu einem Wunderwerk der Brautfrisurkunst umformen lassen, Möbel von Bielefeld nach Köln gefahren, 2x Ikea besucht, ein zusammengebautes Bett aus der Fundgrube am Stück durch die Kasse navigiert, ohne Regale oder andere Kunden zu beschädigen, Trauringe gekauft, einen Hochzeitstanzkurs gemacht, eine Hochzeit auf der Zeche Zollverein besucht, wieder nach Dublin geflogen. Also, das waren nur die Highlights. Uff, sage ich!

Blick in den Garten, leise trauernd

Still checking out the pretty neighbor #phonebokeh #phonemacroNeighbor hanging over my fence #phonebokeh #phonemacro

Hello, tiny snail friend!OK enough

 

Also, aus dem Ausland eine Hochzeit organisieren war mir zu simpel, darum habe ich beschlossen, den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen und vorher noch einen internationalen Umzug nach Köln einzuschieben. Eine meine Begründungen: Nach 10 recht warmen Tagen Anfang Juni schien der irische Sommer vorbei zu sein und das Motto “Der Sommer geht – ich auch” damit sehr sinnvoll. Es ist, als hätten da irische Wetterwesen zugehört – plötzlich ist es hier richtig heiß (nach drei Jahren Irland kommen mir 22 Grad durchaus richtig tropisch vor), man kann in kurzer Hose herumflanieren, bekommt schnell einen Sonnenbrand und hat direkt das Gefühl, in einem Urlaubsland zu wohnen. Hmpf.

Das tut auch dem Garten gut, der fröhlich vor sich hingrünt und -blüht. Und auch die Schnecken gedeihen. Solange sie so klein sind (die auf dem Bild sitzt auf meinem Daumen in einem Gartenhandschuh), kann ich mich dafür auch durchaus begeistern… sobald sie in Massen zu Weinbergschneckengröße herangewachsen sind, freuen sie mich weniger. Den Garten, so klein das Beet auch sein mag, werde ich jedenfalls vermissen. Und ich werde nie erfahren, was aus meinen gemischten, bereits abgelaufenen Samentüten gewachsen  ist, die ich dort wahllos verstreut habe: Alles, was bisher blüht, sind alte Bekannte, und die mysteriösen Unbekannten haben noch keine Knospen.

Ich bin kein Messie, ich habe nur mehr Ideen als Zeit

T-Shirt-QuiltEs gibt Menschen, die leben bewundernswert minimalistisch, mit stylisch-asketischen Wohnungen und Umzügen, für die man höchstens einen zweiten Koffer buchen muss. (Dieser Gedanke ist ein Indiz, dass ich auf einer ausländischen Insel wohne. Für Festland-Heimatlandbewohner wäre er vielleicht “…für die man höchstens einen Ka für eine Stunde ausleihen muss”.)
Das hat zwar einige Vorteile (dieses skandinavisch-reduzierte Ambiente dank all der leeren Flächen überall; das schnelle Putzen, ohne irgendwas verrücken zu müssen; selten Sachen suchen usw.), aber wirkt andererseits auch ein bisschen uninspiriert: Was macht man denn dann in all dieser endlosen Weite mit seiner Zeit? (Okay, Kindle, Tablet und Laptop bieten vermutlich durchaus Zeitvertreib. Aber trotzdem.)

T-Shirt-QuiltIch werde es vermutlich nie erfahren, aber es scheint mir immer sehr unkreativ, denn meine Logik geht etwa so: Wo ein Minimalist (vermute ich) etwas wegwerfen würde, das er so nicht mehr braucht – sagen wir, ein altes T-Shirt – so scheint mir das eine extrem beschränkte Weltsicht zu sein, denn wenn ich bis zu diesem Punkt auch zustimmen mag (“Das Ding ziehe ich nie wieder an”), so heißt das ja nicht unbedingt, dass es für immer ein T-Shirt (eine Jeans, eine leere Holzkiste, eine leere Flasche) bleiben muss. Auch wenn es seinen primären Dienst erfüllt oder ein Loch hat: Vielleicht kann es ja noch was anderes?

Probleme macht das erst, wenn man zwar eine lange Liste von Ideen hat, was aus dem T-Shirt (oder sonstigen Objekt) noch werden könnte, aber nur begrenzt Stauraum zur Verfügung steht und/oder man außerdem noch arbeitet (…oder Vollzeitbraut ist… hust) und danach manchmal nur stumpf herumsitzen möchte, ohne all den grandiosen Ideen nachzugehen, die sich da so (in den Ecken und im Hinterkopf) angesammelt haben. Das wirkt auf Menschen, die eher in die Minimalismus-Kategorie fallen (oder alles immer sofort umsetzen) dann vermutlich nach sinnlosem Horten von Ramsch. (Pah!) Und auf die, die Dinge gerne “richtig” machen, nach kompletter Anarchie, da ohne Anleitung und Vorlage und ohne Planung.

Mögen sie alle denken, was sie möchten! Aber auch ich hätte meine Ecken gerne leerer, und so habe ich mich daran gemacht, einige dieser Projekte in Angriff zu nehmen, die bisher nur als Ramschhaufen mit Potenzial existieren. In der englischsprachigen Blog-Welt gibt es dafür das Wort “Upcycling” – leider fällt mir dafür keine gute Übersetzung ein (“Aufwerten durch Wiederverwerten” ist ein bisschen zu lang), also bleibe ich mal bei Denglisch.

T-Shirt-Quilt

Eins dieser Projekte: Ein T-Shirt-Quilt aus allem, was sich so an formlosen, zu kurzen Erinnerungsstücken über die Jahre angesammelt hat. (Amerikanische Arbeitgeber sind da besonders gefährlich, und in den USA gibt es tatsächlich Menschen, deren Arbeitskleidung ausschließlich aus solchen T-Shirts besteht. Also, obenrum. Hosen haben sie schon dazu an.)

Ein wenig Surfen im Netz brachte einen Grundstock an Fachwissen, und so ist der Stand der Dinge folgender:

  1. Puh, das ist deutlich mehr Arbeit als angenommen. Zwar soll es kein akkurat abgezirkelter Wunderquilt werden, aber auch kein schlabberiger Sack. 
  2. Also habe ich beschlossen, alle Einzelteile gleich breit zu machen und die Höhe dem jeweiligen Motiv anzupassen. (Und die Breite habe ich relativ zufällig festgesetzt, in etwa nach dem breitesten Motiv.)
  3. Da einige der T-Shirts extrem dünn und Jerseystoff ohnehin nicht gerade stabil ist, mache ich mir die Mühe, auf alle Teile Vlieseline aufzubügeln. (Dabei kann man ziemlich gut sehr lange Serien gucken.)
  4. Und damit das Ganze dann auch hübsch ordentlich wird, waren sich alle Quiltblogger einig, dass Scheren nicht die Waffe der Wahl sein sollten. Also kann man dann mit Schneidrad und Gummimatte die Serien weitergucken. (Hauptsächlich Dawson’s Creek und How I Met Your Mother auf Netflix.)
  5. Und das dauert dann alles doch noch länger, als man vermutet hatte.
  6. Aber sobald man dann einen respektablen Stapel an verstärkten, rechtwinkligen T-Shirt-Kunstwerken hat, kann man sich erst ein bisschen freuen, wie schön ordentlich sie aussehen und sie dann schon einmal probehalber auf dem Küchenboden auslegen und vorausplanen.
  7. Ein paar fehlen wohl noch – einige T-Shirts müssen auch erst noch verwurstet werden. Gut, dass mir noch einiges an Serien bleibt!
  8. Der nächste Schritt wird dann das Aneinandernähen, sobald ich mich für ein Layout entschieden habe.
  9. Und dann weiß ich schon, dass das Flanelllaken vom Foto dahinter kommt, weil einige der Stoffstücke doch höchst durchsichtig sind.
  10. Aber ein paar Entscheidungen treffe ich dann, wenn ich soweit bin: Mache ich eine Decke dahinter? Wenn ja, was für eine? Nähe ich noch einen Rand drumherum? Und wie quilte ich das Ganze dann am Ende?

Naja, und dann ist die Frage, wann es überhaupt soweit kommt – es ist ja nicht so, als wäre das das Einzige, was man mit alten T-Shirts machen kann. Oder als ob sich die Stapel in den Ecken auf T-Shirts beschränken würden…

Heiraten trotz Hirn

hochzeit100Noch 49 Tage! Noch immer ist die Bridezilla in mir nicht erwacht (à la “Meine Einladungskarten sind auf elfenbeinfarbenem Karton, dabei wollte ich doch Crème! Ich kann so nicht heiraten!!”) – ich fühle mich trotz allem noch immer ganz normal.

“Trotz allem”, fragst Du, verwunderte Leserschaft?

So lass mich schildern, wie mein Einstieg in die Hochzeitsplanung aussah:
Nicht ganz untypisch für mich begann sie nach einem kurzen Streifzug durchs Internet in einer Buchhandlung. Als Geisteswissenschaftlerin ist “erst mal ein Buch lesen” wohl keine ungewöhnliche Reaktion,  und zugleich dachte ich mir, dass es ja für jeden Unsinn Ratgeber gibt – also doch sicherlich auch um so mehr zu so einem Nicht-Nischenthema wie Hochzeiten. Erstaunlicherweise habe ich da wohl falsch gedacht (oder war im Winter zu weit außerhalb der Saison) – mir hatte ein kleines Büchlein mit praktischen Tipps vorgeschwebt und mit allem, was man vergessen könnte, wenn man nur auf recht wenigen Hochzeiten zu Gast gewesen ist und sich mit dem Thema nie weiter befasst hat. Zu finden war aber nur eine Fülle an Literatur über das Schreiben von Hochzeitsreden, und dazwischen ein einzelnes Werk, dass mich in all seiner Rosa-ness verblüffte bis verstörte und kurzzeitig von allen Hochzeitsgelüsten abbrachte: “pinkbride’s [sic!] Handbuch für unsere perfekte Hochzeit“. (Der Apostroph schwebt auf dem Cover zwischen “e” und “s”, geschrieben ist es aber als “pinkbrides” – soll das ein Kompromiss sein zwischen deutschem und englischem Genitiv?)

Mit großer Verwunderung habe ich ein paar Minuten darin geblättert und ungefähr das Folgende gedacht.

  1. 25 Euro! Wer genau soll denn da die Zielgruppe sein? Und dass es als “praktisches” Ringbuch gestaltet ist, in das man theoretisch eigene DIN-A5-Zettel zuheften könnte, widerspricht der weltfremden rosa Gestaltung und dem rekordverdächtigen Kitschlevel.
  2. Interessant ist die Wortwahl “unser” im Titel, denn ansonsten schließt das Buch den Bräutigam so weit wie irgend möglich aus – schon Seite 2 hat eine leicht hysterisch formulierte, vorgedruckte Nachricht an potenzielle Finder, sinngemäß: Sollte ich dieses Ringbuch verlieren, ist mein Leben vorbei, darum sind hier gleich zwei Telefonnummern, unter denen du mich (“Die Braut”) erreichen kannst. Der Bräutigam wird nicht weiter erwähnt.
  3. pinkbrideDiese Lückentexte setzen sich fort – große Teile des Buchs bestehen aus Tabellen. Das war ja eigentlich in etwa das, was ich gesucht hatte, aber nicht in dieser Ausführung: Als hätte man eine gewisse Anzahl Seiten füllen müssen, um die 25€ zu rechtfertigen, gibt es hier Felder für jeden Unsinn auszufüllen, gerne auch mehrfach. Die Namen der Eltern des Brautpaares werden gleich mehrfach abgefragt (wie wahrscheinlich ist es, dass man sie vergisst?), auch findet sich ein Platz, um die E-Mail-Adressen der Blumenmädchen zu sammeln (sind die normalerweise nicht ein wenig zu jung für diesen Kommunikationsweg?). Viel Platz geht für Ankreuzlisten drauf, die sich wiederholen: Sowohl für den Hochzeitstermin wie auch für die Flitterwochen soll man seine Häkchen bei der richtigen Jahreszeit setzen (Frühling… Sommer…) und dann noch einmal beim richtigen Monat (ja, es stehen alle da) und dann noch einmal das Datum in ein freies Textfeld eintragen. Warum nur?
    Hypothese: Zielgruppe sind Menschen, die auch Freude daran haben, Steuererklärungen auszufüllen. Hypothese 2: Das Finanzamt sollte die Formulare in rosa auflegen, vielleicht können sie dann sogar Geld dafür verlangen.
  4. Der Verdacht, dass hier jemand Platz schinden wollte, verstärkt sich bei wahllos dazugeworfenen Tipps, wie etwa zur allgemeinen Entspannung: Legen Sie sich doch mal mit einer weichen Decke auf die Couch, wenn Sie sich gestresst fühlen! Oder essen Sie was Süßes! Wow. Weltbewegend, fürwahr.
  5. Überflogen habe ich dann das Kapitel “Bräutigam” – weil es in angenehmem Grau gehalten ist und weil ich neugierig war: Da hatte ich doch angenommen, dass es bei einer Hochzeit zwei Hauptpersonen geben sollte, aber nun waren hier über 200 rosa Seiten und nur 18 graue für den Bräutigam. Und es war sehr aufschlussreich – man lernt sehr viel über Geschlechterrollen (und guckt kurz nach: das Buch ist von 2008, nicht von 1888). Der Bräutigam, erfährt man, soll sich aus allem heraushalten, denn bei der Hochzeit geht es in erster Linie um die Braut. (Ach?) Wenn er unbedingt ein moderner Mann sein will, der sich einbringt, dann bitte traditionell: Männliche Fragen rund ums Hochzeitsauto würden sich anbieten. Wahre Frauenversteher könnten außerdem so nett sein, auch mal die gestresste Braut zu trösten, selbst wenn gerade Fußball läuft. […sic…]
  6. Und noch viel mehr lernt man über die Braut selbst, denn ihre Seele wird im Kapitel “Psychologie der Braut” dem Bräutigam offenbart:

    “Sobald Sie Ihrer Liebsten den Verlobungsring an den Finger gesteckt haben, verändert sich deren Sicht auf die eigene Person: Sie ist jetzt eine Braut. Was sie sich als Kind erträumt hat, realisiert sich nun endlich. […] [Frauen] sind in der Lage, erstaunlich viele Sachen gleichzeitig zu erledigen, denn Braut-Sein ist ein Vollzeitjob. […] Freuen Sie sich an ihrer Freude. Sie ist einmalig!” (S. 193)

    Die Braut, das parasitäre Wesen in jeder Frau, das bei Ringkontakt hervorbricht? Das Brautsein, Ziel jedes Frauenlebens und einziger und einmaliger Quell der Freude? Die Frau, deren trister Alltag am Herd kurz den Glanz der Hochzeitsplanung erfährt, während der Mann draußen im feindlichen Leben wichtigere Schlachten ausficht? Ich bin nicht sicher, ob ich meinen Kopf schütteln oder auf eine Tischplatte fallen lassen soll.

 

Interessant fand ich, dass ich am Flughafen (beim Rückflug zu meinem echten Vollzeitjob) sah, dass die Emma sich über Eheschließungen echauffierte und dabei die gleichen Grundannahmen machte: Die Frau werde mit der schönen Feier abgelenkt davon, dass sie vom Vater zum Ehemann übergeben wird, und der Bräutigam soll bitte schweigen. Sollte es viele Hochzeiten im pinkbride-Stil geben, haben sie damit vielleicht gar nicht so unrecht. Nur sind die mir bisher nicht begegnet.

Mein Manager hatte leider wenig Verständnis für pinkbrides Logik – das mit dem heiratenden Vollzeitjob klappt also nicht und brautfrei bekomme ich auch nicht. Dafür fiel mir auf, dass Projektmanagement bei der Arbeit nicht viel anders ist als die Planung einer großen Feier. Und habe nebenbei gelernt, dass ich das Thema Hochzeitsauto sehr viel spannender finde als der Herr Bräutigam. Ich muss wohl eine sehr männliche Braut sein…

Noch 50 Tage bis zur Hochzeit… darauf eine Artikelserie!

Hochzeitslogo
Eine Artikelserie braucht ein Logo!

Wie vor einigen Monaten angedeutet – ich bin seit November verlobt. Zuerst waren wir uns gar nicht sicher, wie gemächlich wir das Ganze angehen lassen würden, aber nach etwas Hin und Her sind wir nun tatsächlich bei einem Datum angekommen, das uns ganz traditionell noch innerhalb eines Jahres nach der Verlobung unter die Haube bringt. (Sogar etwas schneller, denn wer möchte schon im ostwestfälischen Spätherbst feiern?)

Seitdem habe ich viel über Hochzeiten und ihre Planung gelernt – ich hatte da große Bildungslücken, im Gegensatz zu einigen Kolleginnen, die seit dem Kindergarten Ordner voller Brautideen anlegen und in langweiligen Momenten freiwillig die neueste Disney-Prinzessinnen-Brautkollektion bestaunen (ohne verlobt zu sein). Ich liege da auf dem Bridezilla-Spektrum am entgegengesetzten Ende: Kurz nach dem Ja zur Verlobung musste ich erst einmal googlen, auf welchen Finger ich das gute Stück nun eigentlich stecken musste.

Darum als Thema 1 in dieser Artikelserie:

Der Verlobungsring

Das Gute am Verlobungsring, zumindest in meinem Fall: Er ist für die Braut nicht mit Arbeit verbunden. Man kann ihn einfach erfreut entgegennehmen, sobald man die Überraschung überwunden hat (und den richtigen Finger identifiziert hat). Ganz selbstverständlich ist das wohl nicht – die Disneykleid-Kollegin etwa hat schon sehr genaue Vorstellungen, wann genau ihr ein Ring überreicht werden soll, auch wenn das Wunschdatum  noch ein paar Jahre in der Zukunft liegt, und eine andere hat den Ring direkt mit gekauft und damit nur den Moment der Übergabe dem zukünftigen Ehemann überlassen.

Ich wurde dafür im Halbschlaf mit meinem überrascht (wobei ich dann recht schnell wieder wach war) und habe ihn danach dauernd effektvoll ins Licht gehalten (…im Bed & Breakfast, wo ich ihn bekam, war das Licht im Bad am besten… da war ich dann länger. Glitzer!). Und vor Objektive. Und in die Sonne, die dann sogar rauskam.

Ringle/DingleRingle/Dingle
Ringle/Dingle

Und ein paar Dinge habe ich dann noch gelernt:

  1. Deutschland hat gar keine richtige Verlobungsringkultur – also ist es in Ordnung, dass ich mir erst über den Finger unsicher war. 🙂 Es gab aber die Tradition, dass beide einen Ring bekommen, ihn links tragen und er dann bei der Hochzeit auf den rechten Finger wechselt und zum Ehering wird. Das mit dem Diamantring kommt wohl ein bisschen aus Hollywood herüber (nicht, dass ich mich beschwere!). Und in den USA ist diese Tradition wohl vor allem dem geschickten Marketing von de Beers seit den 50er Jahren zu verdanken. 
  2. Noch eine Begründung für meine Rechts-Links-Schwäche bei Ringen: In Deutschland trägt man Eheringe rechts, in Irland (und anderen englischsprachigen Ländern) links, und den Verlobungsring auf der anderen Seite. Nach drei Jahren in Irland kann ich das also nun machen, wie ich möchte, ich verwirre immer irgendwen.
  3. Deutsche Frauen reagieren alle recht einheitlich mit “Oh, wie schön! Der ist ja elegant und schlicht und bleibt nicht dauernd an allem hängen!” Das mit dem praktischen Sinn in Modefragen ist definitiv kein Vorurteil.
  4. Irische Frauen sind kulturell bedingt natürlich auch alle voll des Lobes (“Oh that is gooorgeous!”), aber bei vielen sieht man ein verwirrtes bis schockiertes “…aber wo ist denn der STEIN?” im Gesichtsausdruck. Die acht kleinen in meinem zählen anscheinend nicht so richtig.
  5. Amerikanischen Kolleginnen habe ich den Ring nicht unnötig gezeigt, zumindest nicht denen, die den Gegenwert eines Kleinwagens am Finger tragen und so in mir umgehend Überlegungen à la Punkt 3 auslösen: Macht man sich damit nicht dauernd Pullover kaputt? Tut es nicht fürchterlich weh, wenn einem jemand kräftig die Hand schüttelt? Wozu hat man sogar Diamanten zwischen den Fingern, wo sie a) den Ring unnötig dick und so doof zu tragen machen und b) sie eh keiner sieht und sie höchstens Staub und Dreck sammeln? Und ist man nicht die ganze Zeit nervös, dass man ihn verlieren könnte?
  6. Sollen die das alle machen, wie sie meinen – meiner ist eh am schönsten.

 

Dornröschen in Ballsbridge

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Nach einem ziemlich düsteren Frühling hatte Irland dann doch seinen Sommer – nach 10 Tagen knapp unter der 20°-Marke wird es das für dieses Jahr vermutlich gewesen sein – und die Flora dankt: Ich kam nach vier Tagen Abwesenheit aus London zurück und fand mich in einem Urwald wieder. Ich wüsste wirklich gerne, was das eigentlich ist, was da so üppig sprießt – der Busch rechts war vor zwei Jahren noch eine Art große lila Blume, die sich seitdem als wucherndes Ungetüm entpuppt hat, das jeden Tag mehrere Zentimeter wächst. Es ist mir ein wenig unheimlich. Wenn ich das richtig identifiziert habe, ist es wohl Sommerflieder/Schmetterlingsflieder (leider geruchlos), und hätte ich Wikipedia früher konsultiert, hätte ich ihn im Winter kniehoch zurückgeschnitten. Ups. So säge ich da immer mal wieder ein paar Meter ab und frage mich nebenher, ob es die Nachbarn stört, was da zu ihnen rüberwuchert.

Besser gefällt mir die rosa blühende Hecke, denn die riecht sehr gut, zumindest wenn man sie schneidet oder an den Blättern reibt. Sie wächst ebenfalls ziemlich rasant, aber wirkt dabei weniger, als ob sie mich demnächst unfreiwillig zu Dornröschen machen könnte.

Und unter allem wachsen fleißig meine Fuchsien und Geranien, die ich 2011 gepflanzt habe. Es mag keinen Sommer geben, aber dafür gibt es auch keinen Winter hier, und meine Pflanzen haben bisher alle überlebt.

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Die Hausfrau wundert sich

Mutige Putzaktion Irland bringt einen dazu, sich über Wohnfragen Gedanken zu machen, die sich früher nie gestellt haben. Das fängt schon an beim alltäglichen Leben als Mieter in einem Land, in dem sich jeder so schnell wie möglich ein Eigenheim kauft: Trotz enormer Mietpreise fühlt man sich immer nur wie ein gnädig geduldeter Besucher, denn man darf keinerlei Veränderungen vornehmen – und als Veränderung zählt schon ein Nagel in der Wand. Ein Bild aufhängen? Wozu? Der Vermieter hat gewöhnlich sowieso schon was dekoriert, so wie in den meisten Wohnungen nicht nur Möbel, sondern auch Geschirr und Besteck zum festen Inventar gehören. Gut ist, dass auch alle Renovierungen zu den Aufgaben des Vermieters gehören – schlecht nur, dass viele nicht allzu großes Interesse daran zeigen.

Aber darüber hinaus sind viele irische Häuser, egal ob gemietet oder gekauft, voller wundersamer Eigenheiten. Als wir in dieses Haus zogen, guckte uns die Maklerin groß an, als wir sie fragten, wie wohl die Heizung anzuschalten sei. “Woher soll ich das wissen? Jedes Haus ist anders. Das müssen Sie halt ausprobieren.” Ähnliches sagte der Klempner, der sie zum Laufen bringen sollte, als unser Probieren nicht zum Erfolg führte, und verbrachte viel Zeit damit, in der Wand hinter unserer Kaminattrappe nach der Gaszufuhr und der Wasserpumpe zu fahnden und herauszufinden, dass diese gemeinsam irgendwann sowohl warmes Wasser als auch Heizung funktionieren lassen würden – sobald er das System verstanden hatte, denn besonders standardisiert ist hier wohl nichts. Wir haben trotzdem Glück, denn weder ist die Wasserpumpe so laut, dass bei einem nächtlichen Klobesuch alle anderen Bewohner aufwachen (wie in der alten Wohnung), noch ist die Toilettenspülung ans Warmwasser angeschlossen (fatal in einem Land ohne Durchlauferhitzer), noch muss man den Küchenwasserhahn aufdrehen und laufen lassen, wenn man die Spülmaschine betreiben will (beides bei Kollegen der Fall).

Und dann sind da die Fenster. Hier scheint man vorauszusetzen, dass jeder einen Fensterputzdienst kommen lässt, denn man kommt hier nur von außen an seine Scheiben heran. (Ich habe das gerade nochmal mit einem Blick auf die Nachbarhäuser bestätigt.) Bei uns war es gerade noch mit einer Trittleiter und einem findig zusammengebundenen Gerät aus Schrubber, Besen und Geschenkband zu schaffen.

Aber nach einer Woche Regen ist davon nicht mehr viel zu erkennen. Also ist die Bauweise vielleicht auch einfach nur klimatisch weise: Wozu all die Arbeit?

San Francisco, aus der Hotelsuite betrachtet

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Seit ich diesen Ausblick gesehen habe, bin ich ein riesiger Fan von Umfragen zur Kundenzufriedenheit. Normalerweise fülle ich die nur aus, weil ich mich an meine eigene Vergangenheit im Kundensupport erinnere. Oder wenn mir langweilig ist. Aber ich rechne eigentlich nie damit, dass sich danach irgendetwas tut.

Nicht so im Hotel Clift in San Francisco! Ich war hier vor ein paar Monaten für ein paar Nächte und war zwar von meinem Zimmer recht angetan und noch viel mehr von dem unglaublich bequemen Bett – nur leider fand das Paar im Nebenzimmer das Bett wohl auch höchst attraktiv, was kombiniert mit den hauchdünnen Wänden leider zu unerwünschter Beschallung führte. Oooh, Baby, yeah! Abends, und früh morgens gleich wieder! Hmpf. Also schrieb ich genau das in die Umfrage, die ich direkt nach meiner Abreise bekam: Tolles Zimmer, schönes Hotel, aber ohne flitternde Paare hätte es mir besser gefallen.

Zu meiner Verblüffung kam damals umgehend eine Antwort: Oh, na sowas, es freute den Herrn von der Rezeption, dass mir mein Aufenthalt insgesamt gefallen hatte, und vor meinem nächsten Aufenthalt sollte ich mich doch bitte bei ihm melden für ein kostenloses Upgrade. Och, nett, dachte ich, vielleicht gibt es ja einen Getränkegutschein oder sowas, und schrieb ihm jetzt, als ich wieder nach San Francisco musste. “Super, dass Du wieder bei uns übernachtest, ich habe Dir meinen Lieblingsraum reserviert!”, war die prompte, amerikanisch-enthusiastische Antwort. Aber ich war trotzdem platt, als ich diesen “Raum” dann sah: Eine Suite, größer als meine Wohnung in Dublin, im obersten Stockwerk an einer Ecke – also mit Blick in zwei Richtungen.
Ich hätte mich da ganz gut dran gewöhnen können…

Grownbot… bis zum Urlaub

Grobot, grownMein Grobot hat mir einige Zeit lang doch sehr den Schreibtisch verschönt und wuchs und gedieh, bis er am Ende sogar einen Haarschnitt brauchte (zu sehen auf dem zweiten Foto). Das wollte ich hier für die Nachwelt festhalten.

Nicht dokumentiert habe ich den Zustand des armen Bots, als ich aus dem Urlaub zurückkam und feststellen musste, dass keiner meiner Kollegen sich erbarmt hatte (das hätte ich mir eigentlich denken können, wenn ich mir die verdörrten Relikte umliegender Topfpflanzen so betrachte).

Mentale Notiz: Bei zukünftigen Urlaubsfahrten daran denken, Kollegen Erinnerungen in die digitalen Kalender zu setzen, das könnte besser funktionieren als zu hoffen, dass eine reale Pflanze neben dem Computer ebenso funktionieren könnte wie eine virtuelle Einladung, sie zu bemerken.

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Grüner Roboter

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Mein Grobot wächst und gedeiht! Im Moment sogar richtig flott – es scheint, als würde er über Nacht immer noch einen oder zwei Zentimeter zulegen. Brav, Bot! Brav!