Category: weite Welt

Der Sommer geht – ich auch

Das nenne ich gutes Timing:
abrupt endet der Sommer, genau an dem Tag, an dem ich mich nach Mallorca aufmache.
Als ich wach wurde, fiel vor meinem Fenster Wasser vom Himmel, das sich nicht einmal mehr die Mühe machte, sich in Tropfen aufzuteilen. Mittlerweile ist es etwas besser, was ich begrüße, denn wenn ich auch schon immer mal unter empörtem Protest das Land verlassen wollte, sobald mir das Wetter mißfällt, so täte ich das trotzdem gern trockenen Koffers.
Den ich jetzt fertigpacken muß.

Außerdem muß ich mir noch überlegen, mit welchem Proviant ich im Billigflieger am glücklichsten werde.
Und ich muß noch etwas grummeln, daß ich nicht, wie geplant, an Bord stricken darf, da Stricknadeln schließlich potentielle Waffen sind. Als ob Stricken an sich nicht eine der friedlichsten Tätigkeiten überhaupt ist! Kommt kurz nach schlafen. Andererseits fallen mir jetzt Unmengen von wirklich fiesen Dingen ein, die man mit Stricknadeln anrichten könnte. Wobei das auch für Bücher gilt, was ich hier nicht weiter ausführe, um keine möglichen Mitpassagiere zu inspirieren und damit mir nicht auch noch die Lektüre verboten wird.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, daß der Herbst innerhalb der nächsten Woche noch nicht den Weg auf die Balearen findet.
Und daß ich einen Weg finde, meinen Fotoapparats-Akku zu laden, obwohl angeblich die Stromspannung im Hotel nicht passt.

Überlegungen einer Landratte

Es rückt in greifbare Nähe:
Man wünscht meine Initiation in den Segelsport. Zwar bin ich bereits einmal etwa eine Stunde mit auf der Kieler Förde herumgefahren, während der ich versuchte, nicht im Weg zu sein und irgendetwas von den rätselhaften Aussagen der Menschen um mich herum zu entschlüsseln (erfolglos, wie hier nachzulesen ist). Doch nun soll bald der nächste Versuch folgen… etwas weiter dieses Mal, aus der noch an allen Punkten relativ landnah scheinenden Förde heraus aufs Große Weite Meer.

Hm.
Ich komme aus Bielefeld, und da gibt es kein Gewässer, das man nicht beinahe trockenen Fußes durchqueren könnte. Die paar etwas tieferen Stauteiche sind mittlerweile so versumpft und vermüllt, daß die Enten oft jesusgleich auf der Wasseroberfläche einherzuspazieren scheinen, und die Kampagne, die die Lutter exhumiert haben will und dies mit dem Slogan “Bielefeld soll wieder eine Stadt am Wasser werden!” bewirbt, macht sich selber lächerlich, denn auf den Bildern der noch nicht kanalisierten Lutter sieht man ein sehr, sehr überschaubares Rinnsal, das alles andere als einladend wirkt (und darum hat man die Kloake damals auch eingebuddelt).
Wasser gibt es in Bielefeld nur von oben (dies allerdings um so großzügiger).

Nein, ich schweife nicht ab: ich wollte nur verdeutlichen, daß meine Kindheit und Jugend eher gewässerarm verlief.
Aus diesem Grunde finde ich die Idee, mich in einem verhältnismäßig winzigen Segelschiff auf verhältnismäßig große Wasserflächen zu begeben, nicht uneingeschränkt brillant.

Bildliche Verdeutlichungen schienen angebracht.

Zuerst einmal ist mein Seekrankheitspotential erwiesenermaßen beträchtlich. Ich könnte natürlich irgendwelche Reisekrankheitsmedikamente zu mir nehmen, doch die wirken meist wie Schlaftabletten, und dann wäre mir zwar nicht mehr übel, doch meine Reaktionsfähigkeit gegenüber den weiteren Gefahren der Weltmeere stark beeinträchtigt.

Wobei man ja bei schlechtem Wetter eigentlich wenig reagieren kann. Man sagt mir, Blitze schlügen auf dem Meer nicht unbedingt in den höchsten Punkt. Andererseits habe ich an Land auch schon Blitze direkt neben Blitzableitern in deutlich niedrigere Punkte einschlagen sehen. Somit bin ich nicht überzeugt, daß Blitze sich immer genau über solche Verhaltensregeln im Klaren sind.

Hervorragend dokumentiert ist die Gefahr, die von Eisbergen ausgeht. Da solche Katastrophen bereits hinreichend verfilmt sind, hätte ich nicht einmal besonders große Chancen, mein Schicksal postum von Hollywood aufbereitet zu bekommen.

Nun mag es sein, daß sich Eisberge selbst in Zeiten der Polkappengefährdung nicht allzu oft in die Ostsee verirren. Wale aber schon! Ich selbst verfolgte im letzten Sommer die diesbezüglichen Nachrichten.

Und wenn schon Nessie es schafft, in ihrem Loch unentdeckt zu bleiben, wer weiß dann, was erst alles auf dem Grund der Ostsee lauert?

Tapfer werde ich mich trotz allem den Wellen stellen.
Gefahr Nr. 1 fürchte ich am meisten.

Wie beschaulich und harmlos schien doch stets das Karatetraining.