Kultdiplom


Leider konnte ich noch niemanden dazu bewegen, mich nunmehr mit “Frau Diplom-Kulturwissenschaftlerin” anzusprechen. Ich hörte, in Österreich sei da die Wahrscheinlichkeit größer, doch dafür einen Umzug anstreben? Ich weiß nicht, ich weiß nicht.

Es wird sich zeigen, welchen Nutzen solche akademischen Weihen haben. Ich sollte irgendwie eine Notwendigkeit für Visitenkarten herstellen, damit die Welt auch wirklich davon erfährt. Hm.

Das seltsame Verhalten geschlechtsreifer Mallorcatouristen zur Paarungszeit

Juhu, ich bin auf Mallorca, und da es heute in Stroemen giesst, bin ich in ein kleines, hollaendisches Caf’e geflohen, wo das Essen mit Gratisinternet als Beilage serviert wird, was ich ausnutye, bis man sich wieder hinaustrauen kann, ohne einen Tod durch Ertrinken fuerchten yu muessen.
(*einyiger nachteil hier> anderes tastaturlazout. Nerv. Ich werde mein bestes tun, aber das ist arg anstrengend, denn nicht einmal die Tastenbeschriftung stimmt mit dem ueberein, was hinterher auf dem Bildschirm erscheint. Ich bin also nicht von der ungewohnten und arg touristischen Umgebung in meinen orthographischen Faehigkeiten beeintraechtigt worden, sondern bin nur yu faul.)

Wenn es gerade nicht regnet, ist es doch sehr nett – man kann sich an Straenden, unter Palmen, in ueblen Baggerspelunken und, dank Mietauto, an spektakulaeren Aussichtspunkten tummeln, bekommt nebenbei eine attraktive, gueldene Braeune (ausser, man ist am Ruecken schlampig mit dem Eincremen. Jaul.), gewinnt Heryen allein dadurch, dass man Spanisch kann, und kostenlose Getraenke (mmmm, 43-Likoer mit Milch) allein dadurch, dass man eine Frau ist (und eine huebsche, noch erblondetere und gebraeuntere Schwester dabei hat) – letzteres laesst aber auch die Meinung von der Maennerwelt in den Keller sinken.

Huebsch:

Angebaggert werden, und der Typ erwaehnt in jedem Satz seine Freundin, mit der er unterwegs ist, die aber muede war und schon schlaeft, so dass er ja jetzt Zeit fuer ne andere Frau hat, gell? Suuper, so erobert man garantiert alle Herzen, Junge. Ausserdem war er aus Deutschland und zahlte so nur meiner Schwester ein Getraenk – Spanier begluecken da auch gleich noch Damen in der Begleitung ihres Opfers.

Noch huebscher:

Angebaggert werden, und zuerst ein T-Shirt praesentiert bekommen, auf dem irgendwer mit Kuli unterschrieben hat. Dieses T-Shirt immer wieder zuecken, ohne aber auf die Frage zu antworten, wessen Unterschrift das denn sei. Zwischendurch sich wegschicken lassen zu anderen Frauen (“Die da ist doch auch sehr huebsch!”), sie abknutschen und in eine dunkle Ecke zerren, dann wieder zurueckkehren. “Ich habs ausprobiert, die war nicht toll.” Dies 6x wiederholen. Ernsthaft glauben, damit die Chancen bei der anvisierten ersten Dame zu erhoehen. Aeh.

Auch huebsch:

Junge deutsche Damen, die irgendwelche Fantasien ausleben, sich breitbeinig im Minirock auf Theken raekeln (langweilige weisse Baumwollunterwaesche), den Barmann begrapschen und immer wieder das Thekenluder spielen, obwohl der Barmann sie immer wieder mit einem Trinkglas von seinem Arbeitsplatz schubst. Zwischendurch verschwanden sie mit Señor Noch Huebscher in einer Ecke.

Nee, nee, nee. Das ist nix fuer mich.
Ein typischer Malle-Tourist werde ich wohl nie, ausser ich kriege meine Privatbucht und/oder eine nette kleine Finca fernab von allem. Denn schoen ist es schon.

Ausserdem, generell, ausser gerade jetzt: juhu, Sonne. Tralala.

Der Sommer geht – ich auch

Das nenne ich gutes Timing:
abrupt endet der Sommer, genau an dem Tag, an dem ich mich nach Mallorca aufmache.
Als ich wach wurde, fiel vor meinem Fenster Wasser vom Himmel, das sich nicht einmal mehr die Mühe machte, sich in Tropfen aufzuteilen. Mittlerweile ist es etwas besser, was ich begrüße, denn wenn ich auch schon immer mal unter empörtem Protest das Land verlassen wollte, sobald mir das Wetter mißfällt, so täte ich das trotzdem gern trockenen Koffers.
Den ich jetzt fertigpacken muß.

Außerdem muß ich mir noch überlegen, mit welchem Proviant ich im Billigflieger am glücklichsten werde.
Und ich muß noch etwas grummeln, daß ich nicht, wie geplant, an Bord stricken darf, da Stricknadeln schließlich potentielle Waffen sind. Als ob Stricken an sich nicht eine der friedlichsten Tätigkeiten überhaupt ist! Kommt kurz nach schlafen. Andererseits fallen mir jetzt Unmengen von wirklich fiesen Dingen ein, die man mit Stricknadeln anrichten könnte. Wobei das auch für Bücher gilt, was ich hier nicht weiter ausführe, um keine möglichen Mitpassagiere zu inspirieren und damit mir nicht auch noch die Lektüre verboten wird.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, daß der Herbst innerhalb der nächsten Woche noch nicht den Weg auf die Balearen findet.
Und daß ich einen Weg finde, meinen Fotoapparats-Akku zu laden, obwohl angeblich die Stromspannung im Hotel nicht passt.

Womit ich mir so die Zeit vertreibe…

…wenn ich nicht mehr denkend vor dem Computer sitzen muß.

felt flower

Dies wird eine Tasche. Juhu! Kitschige Blümchen!

knitting with plastic bags

Auch dies wird eine Tasche. Juhu! Umfunktionierte Plastiktüten!

a scarf-to-be

Dies wird (…noch ein…) Schal.

Wie Henriette unangenehm treffend anmerkte:
“Anke, sind Schals die neuen Taschen?”
Öhm. Naja. Also.
Sie hat da wohl nicht ganz unrecht, doch wie man sieht, sind auch Taschen noch nicht völlig passé.
Außerdem sind sie, wie auch Schals, nützlich und nutzbar und damit viel sinnvoller als etwa eine Briefmarkensammlung.

Wer schön sein will…

Ich habe Angst vor Parfümeriefachverkäuferinnen.

Heute, durch Karstadt schlürend, denn schließlich muß ich nicht mehr am Schreibtisch sitzen und beschloß daher, wild Zeit zu verschwenden und durch Düsseldorfs Innenstadt zu laufen (an dieser Stelle verkneife ich mir Gegrummel über Düsseldorf und seine scheinbare Schnepfendichte) – von der Rolltreppe kommend, blieb mein Blick an einem überlebensgroßen Bild einer jungen Dame hängen, vor der überlebensgroße Parfümflakons standen. Das!, so weiß ich nun, war mein Fehler: umgehend suchte mich eine breit lächelnde Karstadt-Mitarbeiterin heim, deren Abteilung auch fern der Parfümerie allein an den kunstvollen, vierfarbigen Lidschattenschichten leicht zu erraten gewesen wäre.

Sie: “Oh, guten Taaaaag! Ich sehe, Sie kommen hier so ganz zielstrebig auf Miss Dior – Chérie zu!”
(-war auch zwischen Rolltreppe und Ausgang. Naja-)
Ich: “Öh. Hm.”
Sie: “Das sollten Sie gleich mal riechen–”
(-hab ja schließlich quasi Urlaub. Och ja. Warum nicht-)
Ich: “Na gut, in Ordnung.”

Ich erkenne, daß sie vermutlich den ganzen Tag auf Kunden lauerte, die Miss Dior flüchtig Aufmerksamkeit schenkten, denn statt des üblichen Pappstreifens zückt sie ein vornehmes Satinband mit eingewebtem Chérie-Logo, das sie umgehend und noch immer breit lächelnd mit befremdlich viel Parfum einnebelt. Bevor ich reagieren kann, bindet sie es mir, die Durchblutung gefährdend, fest ums rechte Handgelenk.
Ich fühle mich wie ein entsprungener Cluburlauber mit meinem Armbändchen. Sie hält meine Hand fest und ich beobachte interessiert, daß sie ihr Lächeln noch eine Spur verbreitern kann.

Sie: “Also, bevor Sie daran jetzt riechen, müssen Sie mir gaaanz fest versprechen, daß Sie mir gleich sagen, woran Sie bei diesem Duft als erstes denken. Alsooo. Wonach riecht das? Na? Naaaaa?”
Ich schnuppere.
Ich: “Honigmelone.”
Sie: “Woooow! Das war schon totaal gut! Die letzte Kundin sagte “Erdbeersorbet”! Das war auch GANZ NAHE DRAN!”
Eine Kollegin eilt herbei. Gemeinsam freuen sie sich noch ein bißchen über meine Antwort. Dann erklären sie mir
Sie1&2: “Die richtige Antwort wäre gewesen: SOMMER.”
Beide strahlen mich lobheischend an.
Ich strahle zurück: “Wie toll! Honigmelonen gibts ja auch immer im Sommer!”
Beide: “… *strahl*”
(-Oh, der Gedankensprung war wohl etwas zu weit.-)
(-Oder wollen die jetzt, daß ich umgehend so ein Riesenflakon erstehe?!-)

Ich: “Also… ich gehe dann mal weiter, ja? So ein Geruch muß sich ja auch erst… entfalten, nicht?”
Beide “…*strahl*”
Ich: “Also, dankeschön! Auf Wiedersehen!”
(Flucht)

Das Argument mit der Geruchsentfaltung erwies sich schon als nützlich, als ich nach Weihnachten wiederholt Douglas-Filialen aufsuchte, um zu entscheiden, was ich mit einem geschenkten Gutschein dort am besten erwerben könnte. Die vielen stark geschminkten Damen dort in ihren kleidsamen, apricotfarbenen Kittelchen waren stets sehr beflissen, potentielle Kundinnen wild einzunebeln und zu ‘beraten’ – doch ich hege gewisse Zweifel daran, ob man nach einem Arbeitsleben in einer so penetrant parfümierten Umgebung überhaupt noch einen verläßlichen Geruchssinn besitzen kann.

Abenteuer Tierwelt

Es wäre falsch, anzunehmen, daß Fernsehen und Disneyfilme die Jugend von heute unmäßig verblödeten. Statt dessen eröffnen sie modernen Kindern völlig neue Möglichkeiten und persönliches Interesse in der Annäherung an Mutter Natur.
Den Beweis liefert ein Besuch im Aquazoo Düsseldorf:
jedes Kind konnte umgehend verschiedenste Aquarienbewohner mit Namen ansprechen – Patrick der Seestern! Da, Thaddäus die Krake! (Nur Spongebob ähnelt seinen nicht-Zeichentrick-Brüdern wenig bis gar nicht). Und wovon sich einige besonders dicke Fische ernährten, kann man damit auch erklären: “Ihr wißt doch, dieser fiese kleine Typ, der immer das Krabbenburger-Rezept klauen will?” – “Mister Plankton!!!” – “Genau. Und von diesem Plankton gibt es ganz viele, die sind winzig klein, und diese Fische dort filtern sie aus dem Wasser und fressen sie.”

Weiterhin hätte ich gerne einen Cent für jedes Mal, daß am Tropenaquarium “Neeemooooooo!!!!” oder “Doooooooriiiiiiii” gekräht wird. Das gäbe nach einer Woche schon einen Kleinwagen, mindestens.

Trotz Überfüllung und Sauerstoffmangel war es sehr nett. Es gab Fische, die schlechte Schwimmer sind und nur auf dem Boden herumrobben, Akte-X-mäßig illuminierte Quallen, angriffslustige Schmetterlinge, und für etwas ältere Generationen auch Lurchi den Feuersalamander.

Erwähnte ich?

Diplomarbeit
=
fertig, gedruckt, gebunden, abgegeben

verdrängt

Schlaf nachgeholt, Wohnungschaos von Wochen beseitigt, noch mehr Schlaf nachgeholt.
Und jetzt bin ich in Düsseldorf, werde mich gleich in den Aquazoo begeben, und auch nach einer Woche bin ich noch nicht ganz das latente schlechte Gewissen los, wenn ich mich unterhaltsamen Tätigkeiten widme und nicht über diplomarbeitsrelevante Themen nachdenke. Nicht einmal das In-der-Hand-halten des fertigen Produkts war da wirklich ein einschneidendes, erleichterndes Erlebnis.

Also muß ich wohl oder übel das Spaßprogramm zur Rettung meiner geistigen Gesundheit fortsetzen. Momentan auf der Liste stehen Harry Potter in seiner 5. und 6. Inkarnation und ein paar Nähpläne.

Nicht so hastig, junger Hase.

Einige wenige Szenen seines jungen Hasenlebens tauchten vor Rüdigers innerem Auge auf.
Dann ging die erzürnte Karotte zum Angriff über.

[ Basisskizze erstellt mit der verschönernden Hilfe des Scribbler, den ich ablenkungssuchenden DiplomandInnen und sonstigen, leicht zu amüsierenden Mitmenschen nur wärmstens ans Herz legen kann. Schlafentzug tut ein übriges.]