Nordirland versagt


Im Leben, so weiß man ab einem bestimmten Alter, lauern Enttäuschungen oft an Stellen, wo man sie gar nicht vermutet. Besorgniserregend ist es jedoch, wenn Enttäuschungen vorprogrammiert sind an Stellen, die vornehmlich Kinder betreffen – und wenn es sich dann auch noch um einen Feiertag handelt, der Anlass zur Freude sein soll und nicht ein verfrühter Einblick in die Unbill, die das Leben bereithält.

Illustrieren wir diesen Gedanken mit einem erschreckenden Beispiel: Urlauber, dem Kindesalter schon seit einigen Lenzen entwachsen, reisen zu Ostern gen Nordirland und beschließen, dass es sich ohne Schokoladeneier nicht gut feiert. In einem Supermarkt verspricht ein großes Angebot an Schokoladenhohlkörpern Abhilfe, und noch attraktiver scheinen sie, weil auf der Packung beliebte Comicfiguren aufgedruckt sind. Im Geiste formt sich ein Bild lustigen Plastikspielzeugs… oder Aufkleber? Oder diese bunten Aufklebetattoos? Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt, und sobald man sich entschieden hat (Simpsons? Bob der Baumeister? Spongebog? Oder doch lieber Hello Kitty?), scheint dem Ostervergnügen nichts mehr im Weg zu stehen. Fröhlich sucht man sich einen Parkplatz mit Aussicht und beschenkt sich gegenseitig.

Das Simpsons-Trauma

Doch ach! Nordirland versagt.
Man öffnet also die bunte Packung und wickelt, an Überraschungseier denkend, sein Ei aus. Allein – es ist leer. Leer! Und die Schokolade schmeckt nicht einmal. Man studiert also erneut die Verpackung und erfährt, dass alles, worauf man hoffen darf, ein “Extra Chocolate Treat” ist – dem Schokoladenei ist also eine Art kleine Praline aus derselben minderwertigen Schokolade beigefügt. Wozu nur? Und der Spielwert beschränkt sich auf das Wegwerfen der bunt bedruckten, völlig überflüssigen Verpackung.

Die Vision von niedlichen kleinen Homers oder Barts, die man auf seinem Monitor arrangieren könnte, schwindet umgehend und macht Platz für die schreckliche Vorstellung, wie in Nordirland jedes Jahr unzählige Kinderträume platzen. Entsetzlich! Nordirland, sage mir – ist das im Geiste des Osterfests?

So groß war die Enttäuschung, dass der betroffene Simpsonsfan lieber inkognito bleiben möchte.

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