Polnischkurs am Straßenrand


Polnischkurs am Straßenrand

Die polnische Sprache ist leider, so scheint mir, nicht sehr benutzerfreundlich. Es fehlt mir bisher der Moment, in dem es “Klick” macht und ich plötzlich in wohlgewählten Worten parliere. Zwar hatte ich ein paar Mini-Klicks – so hat etwa ein Taxifahrer meinen Ehrgeiz angestachelt, “stół z powyłamywanymi nogami” sagen zu lernen, und ich kann das nun, ohne mit der Wimper zu zucken. Semantisch bringt es mir wenig (“Stuhl mit zerbrochenen Beinen” ist kein Thema, das ich im Alltag oft anspreche), doch der Beeindruckungsgrad ist nicht zu verachten. Muttersprachler scheinen es gemeinhin für unmöglich zu halten, dass man sich diese überdimensionierte Aneinanderreihung von Silben merken kann, wenn man ihr nicht von klein auf ausgesetzt war, aber dabei hat dies einen ganz entscheidenen Vorteil (den ich hier viel bemerkenswerter finde): Hinter jedem Konsonant folgt ein Vokal! Sehr selten, sehr zungenfreundlich, gerne mehr davon.

Ich arbeite nunmehr daran, ähnlich nonchalant “W Szczebrzeszynie chrząszcz brzmi w trzcinie” in Konversationen einflechten zu können. Das ist eindeutig noch nutzloser, da dieser Satz erklärt, dass in Szczebrzeszyn ein Käfer im Schilf summt und ich nicht einmal weiß, wo Szczebrzeszyn eigentlich liegt, geschweige denn jemals dort Insekten gelauscht habe. Dieser Satz ist aber ein sehr viel besseres Beispiel für das Vokal-Konsonanten-Verhältnis im Polnischen.  Immerhin kann ich, im Gegensatz zu anderen Ausländern, die Unterschiede zwischen den Zischlauten hören und imitieren. Ich übe also weiter.

Ein weiteres Erfolgserlebnis: Lästige Telefonanrufe. Mein Handy-Prepaid-Karten-Anbieter fand, ich bräuchte einen neuen Tarif und pries ihn in Gestalt einer Callcenter-Dame in den höchsten Tönen. Es führte zu einer dieser paradoxen Konversationen, in denen ich wortreich versichere, dass ich leider kein Polnisch kann, was sie mir nicht glaubte, da ich es ja so eloquent vorbrachte. Ich wollte trotzdem keinen neuen Tarif und versprach, mir die Vorzüge von “Heyah Mix (Miks?)” im Internet zu Gemüte zu führen.

Nun ja. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen. Da ist es doch sehr erfreulich, wenn man am Straßenrand das Verb “sein” in drei Tempora versetzt vorfindet. Ein wenig Service für die tapferen Polnischlernenden war schon überfällig.

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2 responses to “Polnischkurs am Straßenrand”

  1. Okay, dann nehme ich mir das als nächste Herausforderung vor, sobald ich den brummenden Käfer im Schilf gemeistert habe. Oder ich stecke mir einfach nur verzweifelt einen Finger durch den Hals. 😉

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