Fast is better than slow


Ein einfacher Weg, Fachverkäuferinnen zu verstören:
Man schlendert durch ein Einkaufszentrum, sieht in einem kleinen Portemonnaie-Stand (Glasvitrinen mit Verkäuferin in der Mitte) das ideale Portmonnaie und braucht ohnehin ein neues, bittet darum, es anschauen zu dürfen und ersteht es nach 30sekündiger Inspektion.
Sie war völlig platt. “…echt? Sind Sie sicher?” – fast wirkte es, als hätte sie mir am liebsten nichts verkauft, aber der verunsicherte Blick auf die rund 500 ausgestellten Portemonnaies um sie herum ließ mich annehmen, dass sie eine solch rapide Entschlussfreude nicht gewöhnt war. Ich vermute, dass sie ohnehin relativ selten Kunden hat (Wie oft braucht man schon eine solide Geldbörse? Allzu günstige Ware hat sie nicht.), und dass die, die dann kommen, gerne ein paar Dutzend Ausführungen vergleichen und ein wenig herumagonisieren möchten, bevor sie sich entscheiden.
Wollte ich aber nicht. Das hier ist super.
Sie überwand ihre Verwirrung bis zum Abschluss des Verkaufs (“Hier meine Karte”, “Bitte hier, zielony PIN zielony, vielen Dank” sowie einpacken in ein edles Schächtelchen und Verstauen in einer Tüte) nicht völlig.neues Portemonnaie Ich jedoch bin begeistert. Es ist türkisblau, Leder, vertrauenerweckend verarbeitet und sieht aus, als ob es ein paar Jahre hält. Als Nebeneffekt amüsierte es mich, dass auf dem hübschen kleinen Karton in Silber “Dr. Koffer” eingeprägt ist. Wirkt das auf polnische Kunden irgendwie vielversprechend? Man weiß es nicht.Einerseits komme ich immer mehr zur Überzeugung, dass man weniger, aber dafür hochwertigere Dinge kaufen sollte, von denen man wirklich begeistert ist, statt mehr und billiger und schneller kaputt und nur mitteltoll. Andererseits gebe ich zu, dass ich nicht immer so zügig entscheide, sondern dass da eine Vorgeschichte ist:
Mein Momentanportemonnaie löst sich langsam ein wenig auf und hat außerdem den Nachteil, dass die Münzen dauernd aus dem Geldfach fallen. Also suchte ich schon länger ein neues. In Bielefeld sah ich nach Weihnachten ein schönes, das diesem sehr ähnlich war, das aber 50 Euro kosten sollte. Und das fand ich ein bisschen zuviel. Und, dramatisch gesehen, könnte man beim momentanen Verfall des Zloty sagen, dass ich dann ja auch gar kein Geld mehr hätte, um es darin zu verstauen. (Schön ists nicht zurzeit. Das Exildasein hat Nachteile.) Also hatte ich heute ohnehin die Augen offen auf der Suche nach einer ähnlichen, aber weniger teuren Alternative. (Ich hätte es ja noch eingesehen in Ansätzen, wenn es von glücklichen Kühen stammte. Oder Schweinen, ich kann das nicht erkennen. Aber der Mehrpreis hing mehr vom eingeprägten Markennamen ab, auf den ich sowieso keinen Wert lege.)
Also war es ein “Ja! Genau das habe ich gesucht!”-Moment, der keine weitere Untersuchung von Alternativen erforderte. Und die verblüffte Verkäuferin gabs gratis. Und den Dr.-Koffer-Karton.
Wäre mein Polnisch besser und ich wacher gewesen, hätte ich es ihr vielleicht erklärt. So muss sie sich weiter wundern. Und ich freue mich derweil an meiner Neuerwerbung.

Oh, und wenn ich schon einen “Ich war shoppen!”-Eintrag schreibe (man sehe es mir nach – es war mein erster Ausflug in die Welt nach zwei Wochen krank im Bett, es war alles so aufregend und neu für mich…), dann noch dies:
Ich habe noch etwas erstanden, das mir in den letzten zwei Wochen fehlte und das auf Polnisch wunderschön szlafrok heißt. Na?

, ,

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *