Man denkt über seltsame Dinge nach, während man an den heißesten Tagen des Sommers mit Fieber und Grippe herumliegt. Zum Beispiel über Spiele, für die man sich als Grundschulkind begeistert hat: Ich sprang damals begeistert über parallele Gummibänder, gespannt zwischen Mitspielerbeinen oder auch Stühlen. Etwa wie im Bild unten, auch wenn da Lisa Simpson größenmäßig etwas benachteiligt ist und man nicht zwingend einen Feuerwehrmann oder capebewehrten Cowboy auftreiben musste, um spielen zu können.

gummitwist

Kurz kann man dann darüber sinnen, ob sich solche Spiele wohl auf den Schulhöfen weitervererben oder jetzt nur noch als Wii-Version eine Chance hätten. Und dann bleiben die Überlegungen ohrwurmgefährlich hängen an dem Nonsens-Lied, mit dem das Gehopse rhythmisch begleitet wurde: In unserer Grundschule sang man zum Gummitwist so etwas wie “Emma Essassa, Essassa, Pippi ja”, und zwar so konsequent, dass “Emma Essassa” ein Synonym für “Gummitwist” war. Fand ich klanglich damals irgendwie uninspiriert, und nun, gelangweilt herumliegend, fragte ich mich, ob das eigentlich ein Bielefelder Lied zum Gummitwisten war oder weiter verbreitet.

Also machte ich mich daran, den Text bei Google zu suchen – allein: Wie schreibt man das? Und während ich mich mit möglichen Schreibweisen beschäftigte (Ema? Emma?), fiel mir zum ersten Mal auf, dass es eigentlich eher buchstabiert als wie Wörter klang. M – A – S… assa? Oder halt. Das ergibt doch — wenn man etwas Vernuscheln herausrechnet — huch!

M – I – S – S – I – S – S – I – P – P  – I.
Echt? Mississippi?!

Eigentlich hätten wir also wohl “Emm Ei Essessei, Essessei, Pipi-Ei” singen müssen, aber wir hatten ja keine Ahnung, wie lehrreich das alles hätte sein können.

Die Googlesuche warf dann weitere Fragen auf: In Deutschland habe ich zu Variationen von “Emma Essassa” und “Gummitwist” wenig Erhellendes finden können. Dafür weiß ich nun, dass das Ganze vielleicht von Mitschülerinnen aus Damals-Noch-Jugoslawien auf den Schulhof gebracht wurde, denn im ex-jugoslawischen Raum ist “Ema Esasa” anscheinend auch gleichbedeutend mit Gummitwist. (Und dort hatten ebenfalls Menschen die gleiche Mississippi-Erleuchtung wie ich und waren auf Bosnisch ähnlich verblüfft.) Woher aber, irgendwann vor den 80er Jahren, wiederum jugoslawische Kinder die Idee hatten, beim Hopsen Mississippi zu buchstabieren, konnte ich nicht herausfinden. Auf YouTube gibt es zwar amerikanische Kinder, die gummitwistend genau das machen (für sie geographisch ja auch naheliegender), aber das hat wenig mit dem Rhythmus vom Bielefelder Emma Essassa zu tun… So mag das wohl ein Rätsel bleiben.

(Und ich sinke wieder antibiotikaumnebelt in die Kissen.)

 

2 Comments on Rückblickende Erkenntnis oder die Bedeutung hinter dem Gummitwist

  1. Dachte ich beim Tippen auch. 😉 Reif und erwachsen.
    (Wäre auf dem Schulhof sicher auch ein Erfolg gewesen!)

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