Category: seltsame Welt

Damals, jeck im Rheinland

Jetzt, mit einem Jahr Abstand und aus sicherer norddeutscher Distanz, ist vielleicht doch ein guter Moment, vorsichtig an den Karneval letztes Jahr zurückzudenken: Da war ich nämlich, obwohl ich schon ein paar Mal vorher zu Karneval in Köln und da auch verkleidet unterwegs gewesen war, zum ersten Mal beim Rosenmontagszug. Für Außenstehende aus dem karnevalistischen Niemandsland (Ostwestfalen) ist das ganze Konzept ja recht verwunderlich. Zum Beispiel die Idee, dass man zur kältesten Zeit des Jahres mehrere Stunden verkleidet draußen stehen soll und dabei auch noch recht harntreibende Getränke konsumieren – hätte man so etwas nicht schlauer in den Sommer gelegt? Aber nun gut, als neue Bürgerin Kölns schien mir, man solle das mal mitgemacht haben.

Ich erwartete da irgendetwas Erstaunliches: Tolle, einfallsreiche Kostüme, ausgelassene Jecken, interessante Wagen. Hm. Nun. Stattdessen fand ich mich an einer Straße wieder, auf der 95% der Zuschauer quasi nach Vorschrift verkleidet war (Clown, Nonne, Pirat, Cowboy, Indianer, Krankenschwester, alles fertig gekauft), die meisten ähnlich wenig ausgelassen waren wie sonst (hauptsächlich darauf bedacht, mehr Kamelle aufzusammeln als die jeweiligen Nachbarn) und auf den Wagen meist schnurrbärtige alte Männer in aufwendigen Karnevalsverein-Uniformen die einzige Deko darstellten.

Die Highlights aus ein paar Stunden Zoch
Die Highlights aus ein paar Stunden Zoch

Ein wenig beschlich mich schließlich die Vermutung, dass man das Karnevalistentum von klein auf antrainiert bekommen muss und dieser Zoch (hehe) für mich vermutlich einfach abgefahren ist. So endete das Un-Leben von Kölns einzigem Zombiekaninchen recht schnell – es existiert allerdings rares Videomaterial von seinem Lieblingslied.

Ab nach Hamburg, kleines Zombiebunny!

Immerhin schien es so ein kluger Schachzug, sich eine neue Stadt zu suchen, in der die Karnevals- UND Regenwahrscheinlichkeit deutlich niedriger liegt.

 

Rückblickende Erkenntnis oder die Bedeutung hinter dem Gummitwist

Man denkt über seltsame Dinge nach, während man an den heißesten Tagen des Sommers mit Fieber und Grippe herumliegt. Zum Beispiel über Spiele, für die man sich als Grundschulkind begeistert hat: Ich sprang damals begeistert über parallele Gummibänder, gespannt zwischen Mitspielerbeinen oder auch Stühlen. Etwa wie im Bild unten, auch wenn da Lisa Simpson größenmäßig etwas benachteiligt ist und man nicht zwingend einen Feuerwehrmann oder capebewehrten Cowboy auftreiben musste, um spielen zu können.

gummitwist

Kurz kann man dann darüber sinnen, ob sich solche Spiele wohl auf den Schulhöfen weitervererben oder jetzt nur noch als Wii-Version eine Chance hätten. Und dann bleiben die Überlegungen ohrwurmgefährlich hängen an dem Nonsens-Lied, mit dem das Gehopse rhythmisch begleitet wurde: In unserer Grundschule sang man zum Gummitwist so etwas wie “Emma Essassa, Essassa, Pippi ja”, und zwar so konsequent, dass “Emma Essassa” ein Synonym für “Gummitwist” war. Fand ich klanglich damals irgendwie uninspiriert, und nun, gelangweilt herumliegend, fragte ich mich, ob das eigentlich ein Bielefelder Lied zum Gummitwisten war oder weiter verbreitet.

Also machte ich mich daran, den Text bei Google zu suchen – allein: Wie schreibt man das? Und während ich mich mit möglichen Schreibweisen beschäftigte (Ema? Emma?), fiel mir zum ersten Mal auf, dass es eigentlich eher buchstabiert als wie Wörter klang. M – A – S… assa? Oder halt. Das ergibt doch — wenn man etwas Vernuscheln herausrechnet — huch!

M – I – S – S – I – S – S – I – P – P  – I.
Echt? Mississippi?!

Eigentlich hätten wir also wohl “Emm Ei Essessei, Essessei, Pipi-Ei” singen müssen, aber wir hatten ja keine Ahnung, wie lehrreich das alles hätte sein können.

Die Googlesuche warf dann weitere Fragen auf: In Deutschland habe ich zu Variationen von “Emma Essassa” und “Gummitwist” wenig Erhellendes finden können. Dafür weiß ich nun, dass das Ganze vielleicht von Mitschülerinnen aus Damals-Noch-Jugoslawien auf den Schulhof gebracht wurde, denn im ex-jugoslawischen Raum ist “Ema Esasa” anscheinend auch gleichbedeutend mit Gummitwist. (Und dort hatten ebenfalls Menschen die gleiche Mississippi-Erleuchtung wie ich und waren auf Bosnisch ähnlich verblüfft.) Woher aber, irgendwann vor den 80er Jahren, wiederum jugoslawische Kinder die Idee hatten, beim Hopsen Mississippi zu buchstabieren, konnte ich nicht herausfinden. Auf YouTube gibt es zwar amerikanische Kinder, die gummitwistend genau das machen (für sie geographisch ja auch naheliegender), aber das hat wenig mit dem Rhythmus vom Bielefelder Emma Essassa zu tun… So mag das wohl ein Rätsel bleiben.

(Und ich sinke wieder antibiotikaumnebelt in die Kissen.)

 

14.7.12

Ich glaube, darüber habe ich mich hier irgendwann schon mal gewundert: Einer der häufigsten Jobs hier in Dubliner Einkaufsstraßen ist der des Schildhochhalters. Da stehen immer irgendwelche Männer und sorgen dafür, dass eine Werbetafel aufrecht bleibt. Da das kein übermäßig stimulierender Job ist, rotten sich die Hochhalter oft zu Grüppchen zusammen und plaudern zufrieden. Das sorgt dann oft zu Stauungen im Passantenstrom (auf dem Foto ist es ungewöhnlich leer in der Grafton Street) und mehr Unmut als Kauflust, aber das hält die jeweiligen Läden (meist ungünstig in weniger gut besuchten kleinen Seitengassen der Hauptflaniermeile gelegen) nicht davon ab, so auf sich aufmerksam zu machen.

Die Hochhalter erfüllen dabei übrigens wirklich keinen weiteren Zweck als der des Schildstabilisierens – sie sprechen nicht mit Vorübergehenden, machen auch nicht weiter auf ihr Schild aufmerksam, verteilen nichts, tragen keine irgendwie zum Geschäft passende Kleidung und sind generell einfach nur schweigend ein bisschen im Weg.

22.6.12

Unser Haus hat die möglicherweise engste Wendeltreppe Dublins – schon ein durchschnittlicher Koffer ist hier schwierig heraufzubugsieren. Wirklich mysteriös wird es, wenn man sich die Möbel im Obergeschoss anschaut: Über die Treppe können sie nicht gekommen sein, denn, wie wir beim Einzug gelernt haben, für ein 1,40-Meter-Lattenrost ist die Treppe zu schmal – von dem Trumm unter meinem Bett muss man da gar nicht erst reden. Oder von der Badewanne. Und die Fenster lassen sich nur SEHR begrenzt öffnen, denn da ist der Dachüberhang im Weg und sie sind ohnehin so konstruiert, dass man sie nur ein bisschen kippen kann. Selbst, wenn man die Scheiben rausnähme, wären die Rahmen zu schmal. Es sieht also ganz so aus, als sei das Haus um die Möbel im Obergeschoss herumgebaut? Heh.

Oscar Wilde und ich haben den gleichen Zahnarzt

Oscar Wilde war auch beim Zahnarzt?

Wenn ich über den Merrion Square spaziere, statte ich gewöhnlich dem guten Oscar Wilde einen Besuch ab – früher wohnhaft in einem der Häuser am Platz, nun dauerhaft fläzend in einer Parkecke. Schon öfter habe ich mir über seinen Gesichtsausdruck Gedanken gemacht – nun brachte mich kürzlich ein Zahnarztbesuch auf ganz neue Ideen: Haben wir vielleicht den gleichen Zahnarzt? Die Ähnlichkeit ist frappierend…

31.5.12

Unsere Straße scheint ein Paradies für Schnecken zu sein – überall kriecht es munter vor sich hin. Was mir aber nie klar war, ist, wie akrobatisch diese Tierchen werden können. Hier schneckt eine an einem Draht entlang. Beeindruckend war auch, die, dich ich innen an meiner Gardine im 1. Stock fand: Anscheinend war sie also die Ziegelmauer hoch, die Gardine außen herunter- und dann um den Saum herum wieder hochgeschleimt und saß da auch recht sicher und beobachtete mich. Ich habe sie dann aber doch ins Grüne getragen, so richtig schneckenoptimiert schien mein Zimmer mir dann doch nicht zu sein…

4.3.12


Ich bin nicht sicher, ob ich zur Beauty-Bloggerin tauge — zwar sehe ich bei der Arbeit regelmäßig Webseiten mit faszinierenden Anleitungen für Maniküremöglichkeiten (oder, in Beautyblog-Lingo: Tutorials für NOTDs), aber von den Ergebnissen bin ich nur teilweise überzeugt. Hmm.

20.2.12

Erdbeersaft ohne Erdbeeren

Erdbeeren in den Tropen bestehen anscheinend aus Bananen und Ananas.

Das Büroessen überrascht immer wieder – in Polen gab es häufig so wundersame Dinge wie “Turkey in Time”, “Cow Slice of Beef” oder “Fish for Greek”.

23.1.12

Amerika: Ja, es ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Egal, wo man sich gerade auf dem Weg vom Tellerwäscher zum Millionär befindet, an bestimmten Orten der Ruhe gibt es wichtigere Fragen zu klären als die Karriere:

Wie beendet man am angenehmsten die Endverdauung?  Mit einem reinigenden Wasserstrahl von vorne oder hinten? Oszillierend oder doch lieber mit gleichmäßigem Fluss? Und danach? Fönen oder doch lieber altmodisches Papier verwenden?