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Heiraten trotz Hirn

hochzeit100Noch 49 Tage! Noch immer ist die Bridezilla in mir nicht erwacht (à la “Meine Einladungskarten sind auf elfenbeinfarbenem Karton, dabei wollte ich doch Crème! Ich kann so nicht heiraten!!”) – ich fühle mich trotz allem noch immer ganz normal.

“Trotz allem”, fragst Du, verwunderte Leserschaft?

So lass mich schildern, wie mein Einstieg in die Hochzeitsplanung aussah:
Nicht ganz untypisch für mich begann sie nach einem kurzen Streifzug durchs Internet in einer Buchhandlung. Als Geisteswissenschaftlerin ist “erst mal ein Buch lesen” wohl keine ungewöhnliche Reaktion,  und zugleich dachte ich mir, dass es ja für jeden Unsinn Ratgeber gibt – also doch sicherlich auch um so mehr zu so einem Nicht-Nischenthema wie Hochzeiten. Erstaunlicherweise habe ich da wohl falsch gedacht (oder war im Winter zu weit außerhalb der Saison) – mir hatte ein kleines Büchlein mit praktischen Tipps vorgeschwebt und mit allem, was man vergessen könnte, wenn man nur auf recht wenigen Hochzeiten zu Gast gewesen ist und sich mit dem Thema nie weiter befasst hat. Zu finden war aber nur eine Fülle an Literatur über das Schreiben von Hochzeitsreden, und dazwischen ein einzelnes Werk, dass mich in all seiner Rosa-ness verblüffte bis verstörte und kurzzeitig von allen Hochzeitsgelüsten abbrachte: “pinkbride’s [sic!] Handbuch für unsere perfekte Hochzeit“. (Der Apostroph schwebt auf dem Cover zwischen “e” und “s”, geschrieben ist es aber als “pinkbrides” – soll das ein Kompromiss sein zwischen deutschem und englischem Genitiv?)

Mit großer Verwunderung habe ich ein paar Minuten darin geblättert und ungefähr das Folgende gedacht.

  1. 25 Euro! Wer genau soll denn da die Zielgruppe sein? Und dass es als “praktisches” Ringbuch gestaltet ist, in das man theoretisch eigene DIN-A5-Zettel zuheften könnte, widerspricht der weltfremden rosa Gestaltung und dem rekordverdächtigen Kitschlevel.
  2. Interessant ist die Wortwahl “unser” im Titel, denn ansonsten schließt das Buch den Bräutigam so weit wie irgend möglich aus – schon Seite 2 hat eine leicht hysterisch formulierte, vorgedruckte Nachricht an potenzielle Finder, sinngemäß: Sollte ich dieses Ringbuch verlieren, ist mein Leben vorbei, darum sind hier gleich zwei Telefonnummern, unter denen du mich (“Die Braut”) erreichen kannst. Der Bräutigam wird nicht weiter erwähnt.
  3. pinkbrideDiese Lückentexte setzen sich fort – große Teile des Buchs bestehen aus Tabellen. Das war ja eigentlich in etwa das, was ich gesucht hatte, aber nicht in dieser Ausführung: Als hätte man eine gewisse Anzahl Seiten füllen müssen, um die 25€ zu rechtfertigen, gibt es hier Felder für jeden Unsinn auszufüllen, gerne auch mehrfach. Die Namen der Eltern des Brautpaares werden gleich mehrfach abgefragt (wie wahrscheinlich ist es, dass man sie vergisst?), auch findet sich ein Platz, um die E-Mail-Adressen der Blumenmädchen zu sammeln (sind die normalerweise nicht ein wenig zu jung für diesen Kommunikationsweg?). Viel Platz geht für Ankreuzlisten drauf, die sich wiederholen: Sowohl für den Hochzeitstermin wie auch für die Flitterwochen soll man seine Häkchen bei der richtigen Jahreszeit setzen (Frühling… Sommer…) und dann noch einmal beim richtigen Monat (ja, es stehen alle da) und dann noch einmal das Datum in ein freies Textfeld eintragen. Warum nur?
    Hypothese: Zielgruppe sind Menschen, die auch Freude daran haben, Steuererklärungen auszufüllen. Hypothese 2: Das Finanzamt sollte die Formulare in rosa auflegen, vielleicht können sie dann sogar Geld dafür verlangen.
  4. Der Verdacht, dass hier jemand Platz schinden wollte, verstärkt sich bei wahllos dazugeworfenen Tipps, wie etwa zur allgemeinen Entspannung: Legen Sie sich doch mal mit einer weichen Decke auf die Couch, wenn Sie sich gestresst fühlen! Oder essen Sie was Süßes! Wow. Weltbewegend, fürwahr.
  5. Überflogen habe ich dann das Kapitel “Bräutigam” – weil es in angenehmem Grau gehalten ist und weil ich neugierig war: Da hatte ich doch angenommen, dass es bei einer Hochzeit zwei Hauptpersonen geben sollte, aber nun waren hier über 200 rosa Seiten und nur 18 graue für den Bräutigam. Und es war sehr aufschlussreich – man lernt sehr viel über Geschlechterrollen (und guckt kurz nach: das Buch ist von 2008, nicht von 1888). Der Bräutigam, erfährt man, soll sich aus allem heraushalten, denn bei der Hochzeit geht es in erster Linie um die Braut. (Ach?) Wenn er unbedingt ein moderner Mann sein will, der sich einbringt, dann bitte traditionell: Männliche Fragen rund ums Hochzeitsauto würden sich anbieten. Wahre Frauenversteher könnten außerdem so nett sein, auch mal die gestresste Braut zu trösten, selbst wenn gerade Fußball läuft. […sic…]
  6. Und noch viel mehr lernt man über die Braut selbst, denn ihre Seele wird im Kapitel “Psychologie der Braut” dem Bräutigam offenbart:

    “Sobald Sie Ihrer Liebsten den Verlobungsring an den Finger gesteckt haben, verändert sich deren Sicht auf die eigene Person: Sie ist jetzt eine Braut. Was sie sich als Kind erträumt hat, realisiert sich nun endlich. […] [Frauen] sind in der Lage, erstaunlich viele Sachen gleichzeitig zu erledigen, denn Braut-Sein ist ein Vollzeitjob. […] Freuen Sie sich an ihrer Freude. Sie ist einmalig!” (S. 193)

    Die Braut, das parasitäre Wesen in jeder Frau, das bei Ringkontakt hervorbricht? Das Brautsein, Ziel jedes Frauenlebens und einziger und einmaliger Quell der Freude? Die Frau, deren trister Alltag am Herd kurz den Glanz der Hochzeitsplanung erfährt, während der Mann draußen im feindlichen Leben wichtigere Schlachten ausficht? Ich bin nicht sicher, ob ich meinen Kopf schütteln oder auf eine Tischplatte fallen lassen soll.

 

Interessant fand ich, dass ich am Flughafen (beim Rückflug zu meinem echten Vollzeitjob) sah, dass die Emma sich über Eheschließungen echauffierte und dabei die gleichen Grundannahmen machte: Die Frau werde mit der schönen Feier abgelenkt davon, dass sie vom Vater zum Ehemann übergeben wird, und der Bräutigam soll bitte schweigen. Sollte es viele Hochzeiten im pinkbride-Stil geben, haben sie damit vielleicht gar nicht so unrecht. Nur sind die mir bisher nicht begegnet.

Mein Manager hatte leider wenig Verständnis für pinkbrides Logik – das mit dem heiratenden Vollzeitjob klappt also nicht und brautfrei bekomme ich auch nicht. Dafür fiel mir auf, dass Projektmanagement bei der Arbeit nicht viel anders ist als die Planung einer großen Feier. Und habe nebenbei gelernt, dass ich das Thema Hochzeitsauto sehr viel spannender finde als der Herr Bräutigam. Ich muss wohl eine sehr männliche Braut sein…

Noch 50 Tage bis zur Hochzeit… darauf eine Artikelserie!

Hochzeitslogo
Eine Artikelserie braucht ein Logo!

Wie vor einigen Monaten angedeutet – ich bin seit November verlobt. Zuerst waren wir uns gar nicht sicher, wie gemächlich wir das Ganze angehen lassen würden, aber nach etwas Hin und Her sind wir nun tatsächlich bei einem Datum angekommen, das uns ganz traditionell noch innerhalb eines Jahres nach der Verlobung unter die Haube bringt. (Sogar etwas schneller, denn wer möchte schon im ostwestfälischen Spätherbst feiern?)

Seitdem habe ich viel über Hochzeiten und ihre Planung gelernt – ich hatte da große Bildungslücken, im Gegensatz zu einigen Kolleginnen, die seit dem Kindergarten Ordner voller Brautideen anlegen und in langweiligen Momenten freiwillig die neueste Disney-Prinzessinnen-Brautkollektion bestaunen (ohne verlobt zu sein). Ich liege da auf dem Bridezilla-Spektrum am entgegengesetzten Ende: Kurz nach dem Ja zur Verlobung musste ich erst einmal googlen, auf welchen Finger ich das gute Stück nun eigentlich stecken musste.

Darum als Thema 1 in dieser Artikelserie:

Der Verlobungsring

Das Gute am Verlobungsring, zumindest in meinem Fall: Er ist für die Braut nicht mit Arbeit verbunden. Man kann ihn einfach erfreut entgegennehmen, sobald man die Überraschung überwunden hat (und den richtigen Finger identifiziert hat). Ganz selbstverständlich ist das wohl nicht – die Disneykleid-Kollegin etwa hat schon sehr genaue Vorstellungen, wann genau ihr ein Ring überreicht werden soll, auch wenn das Wunschdatum  noch ein paar Jahre in der Zukunft liegt, und eine andere hat den Ring direkt mit gekauft und damit nur den Moment der Übergabe dem zukünftigen Ehemann überlassen.

Ich wurde dafür im Halbschlaf mit meinem überrascht (wobei ich dann recht schnell wieder wach war) und habe ihn danach dauernd effektvoll ins Licht gehalten (…im Bed & Breakfast, wo ich ihn bekam, war das Licht im Bad am besten… da war ich dann länger. Glitzer!). Und vor Objektive. Und in die Sonne, die dann sogar rauskam.

Ringle/DingleRingle/Dingle
Ringle/Dingle

Und ein paar Dinge habe ich dann noch gelernt:

  1. Deutschland hat gar keine richtige Verlobungsringkultur – also ist es in Ordnung, dass ich mir erst über den Finger unsicher war. 🙂 Es gab aber die Tradition, dass beide einen Ring bekommen, ihn links tragen und er dann bei der Hochzeit auf den rechten Finger wechselt und zum Ehering wird. Das mit dem Diamantring kommt wohl ein bisschen aus Hollywood herüber (nicht, dass ich mich beschwere!). Und in den USA ist diese Tradition wohl vor allem dem geschickten Marketing von de Beers seit den 50er Jahren zu verdanken. 
  2. Noch eine Begründung für meine Rechts-Links-Schwäche bei Ringen: In Deutschland trägt man Eheringe rechts, in Irland (und anderen englischsprachigen Ländern) links, und den Verlobungsring auf der anderen Seite. Nach drei Jahren in Irland kann ich das also nun machen, wie ich möchte, ich verwirre immer irgendwen.
  3. Deutsche Frauen reagieren alle recht einheitlich mit “Oh, wie schön! Der ist ja elegant und schlicht und bleibt nicht dauernd an allem hängen!” Das mit dem praktischen Sinn in Modefragen ist definitiv kein Vorurteil.
  4. Irische Frauen sind kulturell bedingt natürlich auch alle voll des Lobes (“Oh that is gooorgeous!”), aber bei vielen sieht man ein verwirrtes bis schockiertes “…aber wo ist denn der STEIN?” im Gesichtsausdruck. Die acht kleinen in meinem zählen anscheinend nicht so richtig.
  5. Amerikanischen Kolleginnen habe ich den Ring nicht unnötig gezeigt, zumindest nicht denen, die den Gegenwert eines Kleinwagens am Finger tragen und so in mir umgehend Überlegungen à la Punkt 3 auslösen: Macht man sich damit nicht dauernd Pullover kaputt? Tut es nicht fürchterlich weh, wenn einem jemand kräftig die Hand schüttelt? Wozu hat man sogar Diamanten zwischen den Fingern, wo sie a) den Ring unnötig dick und so doof zu tragen machen und b) sie eh keiner sieht und sie höchstens Staub und Dreck sammeln? Und ist man nicht die ganze Zeit nervös, dass man ihn verlieren könnte?
  6. Sollen die das alle machen, wie sie meinen – meiner ist eh am schönsten.

 

7.3.12


Meine kurze Karriere als Hochzeitsfotografin: Jetzt mit extra Bärenfaktor!

Ich bin nicht sicher, ob deutsche Standesbeamte so cool gewesen wären wie die in Irland: Die Dame war höchst amüsiert, wollte unbedingt ein Erinnerungsfoto mit sich und dem bärigen Paar und forderte bei der Trauung dazu auf, entweder eine Unterschrift oder wahlweise Tatzenabdrücke auf der Hochzeitsurkunde zu hinterlassen. Alles Gute jedenfalls für die neuvermählten Bären!

5.11.11

Na, das nenne ich mal Aufmerksamkeit auch für kleinste Details!
Wir waren Gäste bei einer Hochzeit und selbst bei einem kurzen, privaten Rückzug wurde man an den Anlass erinnert…