Lustiger Zeitvertreib (leider aber wohl kein verlässliches Nebeneinkommen) in Dublin:
Ein Besuch beim Windhundrennen. Sehr kleinköpfige, langbeinige Hunde folgen einer pelzbezogenen Blechdose, die auf einer Schiene um die Arena saust, und Groß und Klein sehen ihnen dabei zu. Interessant ist das Publikum: Kleine, dicke Kinder in Trainingsanzügen, Damen mit bläulichen Dauerwellen, alte Männer mit Schirmmützen aus Kord, Touristen – alle verfolgen den Sieg ihrer Favoriten (oder die Niederlage – mein Held “Almost Extreme” wurde, so eine Überraschung, nur almost Sieger und kam auf den zweiten Platz). Viel zu sehen ist an sich aber nicht, denn, wie das Video oben zeigt, sind die Windhunde sogar schneller als der YouTube-Fortschrittsbalken. Wusch!
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Schnell wie der Wind(hund)
Nordirland versagt
Im Leben, so weiß man ab einem bestimmten Alter, lauern Enttäuschungen oft an Stellen, wo man sie gar nicht vermutet. Besorgniserregend ist es jedoch, wenn Enttäuschungen vorprogrammiert sind an Stellen, die vornehmlich Kinder betreffen – und wenn es sich dann auch noch um einen Feiertag handelt, der Anlass zur Freude sein soll und nicht ein verfrühter Einblick in die Unbill, die das Leben bereithält.
Illustrieren wir diesen Gedanken mit einem erschreckenden Beispiel: Urlauber, dem Kindesalter schon seit einigen Lenzen entwachsen, reisen zu Ostern gen Nordirland und beschließen, dass es sich ohne Schokoladeneier nicht gut feiert. In einem Supermarkt verspricht ein großes Angebot an Schokoladenhohlkörpern Abhilfe, und noch attraktiver scheinen sie, weil auf der Packung beliebte Comicfiguren aufgedruckt sind. Im Geiste formt sich ein Bild lustigen Plastikspielzeugs… oder Aufkleber? Oder diese bunten Aufklebetattoos? Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt, und sobald man sich entschieden hat (Simpsons? Bob der Baumeister? Spongebog? Oder doch lieber Hello Kitty?), scheint dem Ostervergnügen nichts mehr im Weg zu stehen. Fröhlich sucht man sich einen Parkplatz mit Aussicht und beschenkt sich gegenseitig.
Doch ach! Nordirland versagt.
Man öffnet also die bunte Packung und wickelt, an Überraschungseier denkend, sein Ei aus. Allein – es ist leer. Leer! Und die Schokolade schmeckt nicht einmal. Man studiert also erneut die Verpackung und erfährt, dass alles, worauf man hoffen darf, ein “Extra Chocolate Treat” ist – dem Schokoladenei ist also eine Art kleine Praline aus derselben minderwertigen Schokolade beigefügt. Wozu nur? Und der Spielwert beschränkt sich auf das Wegwerfen der bunt bedruckten, völlig überflüssigen Verpackung.
Die Vision von niedlichen kleinen Homers oder Barts, die man auf seinem Monitor arrangieren könnte, schwindet umgehend und macht Platz für die schreckliche Vorstellung, wie in Nordirland jedes Jahr unzählige Kinderträume platzen. Entsetzlich! Nordirland, sage mir – ist das im Geiste des Osterfests?
So groß war die Enttäuschung, dass der betroffene Simpsonsfan lieber inkognito bleiben möchte.
Fußstapfen verliebter Riesen
Am Giant’s Causeway, so heißt es, baute der Riese Fionn mac Cumhaill eine Straße gen Schottland, um eine dort wohnende Dame zu ehelichen. Es scheint, dass er nach ein paar Metern wieder aufgegeben hat – warum, weiß ich nicht. Vielleicht kam Rugby im Fernsehen.
Der Anfang ist jedenfalls hübsch anzuschauen und sehr… polygon. Man wandelt auf (vornehmlich) Sechsecken, bemüht sich sehr, Fotos zu machen, die “einsame Naturschönheit” suggerieren statt “touristische Hauptattraktion der nördlichen Nordirlandküste” – auch im April keine leichte Aufgabe.
Die Dame in Türkis (unteres Bild) drängte sich sehr hartnäckig in jedes ansprechende und relativ menschenarme Motiv. Rückblickend verzeihe ich ihr, weil sie einen guten Maßstab darstellt für die Ausmaße des Causeways.
Fotogen ist er, der Causeway. Ich verzichte an dieser Stelle darauf, alle ca. 200 Fotos hier zur Bewunderung auszustellen. Ein wenig wiederholt es sich ja vielleicht auch (“Oh! Noch mehr sechseckige Basaltsäulen! Toll”)
Juhu, den Basalt gibts mehrfarbig! (siehe oben) Unten sieht man nochmal eine durchschnittliche Säule im Verhältnis zu einem eher kleinen Frauenfuß.
Genug des Gesteins! Nordirland hat noch mehr zu bieten. Gerade an Tagen mit kühlem Wind (sollte auf einen Großteil der Tage zutreffen…) bietet Bushmills Zuflucht: Bei einer Besichtigung erfährt man viel über die Kunst des Destillierens und, in zahllosen Seitenhieben, alles über die Überlegenheit irischer Destillate im Vergleich zu schottischen Produkten. Wenn man keine Karte mehr für Führungen bekommt, so bekommt man zumindest einen Gutschein, um das Endprodukt zu testen. Auch nicht schlecht.
Irland in zwei Stunden
Wenn man dem Baedeker glaubt, so sind zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Irlands überhaupt Newgrange und Monasterboice. Praktischerweise liegen beide relativ nah an Dublin (die verwirrende bis fehlende Beschilderung mag die Distanz größer erscheinen lassen) und noch dichter aneinander – ein bisschen nördlich, auf dem Weg nach Belfast oder zur Küste von Antrim.
Newgrange liegt im Boyne-Tal, und während man sich aus der Ferne nähert (und wenn der Magen ein wenig knurrt), dann erinnert es entfernt an eine runde, grüne Torte.
Man erreicht es über ein Besucherzentrum, von dem aus (bei Regen sehr empfehlenswert) Shuttle-Busse bis an die eigentliche Sehenswürdigkeit fahren, und dort erklärt einem ein enthusiastischer Reiseführer, dass man nun etwas sieht, das älter als die Pyramiden UND immer noch regendicht ist. Was genau es eigentlich ist – der Baedeker nennt es Gängegrab, der Führer spekulierte auch über andere Theorien für die Nutzung, sicher ist nur, dass am Tag der Wintersonnenwende der Raum 17 Minuten lang erleuchtet wird (ich vermute allerdings, nur bei günstiger Witterung). Mittlerweile kann man bei einer Lotterie sein Glück versuchen, um mit einigen wenigen Gewinnern diese Viertelstunde Licht live im Gängegrab zu erleben. Für alle anderen gibt es bei der Führung eine Simulation mit Elektrolicht.
Von dort aus ist es nicht weit nach Monasterboice – 4000 Jahre jünger als Newgrange, und besser erklärt. Hier findet man, hübsch komprimiert, alle klassisch irischen Touristenhighlights auf einem Haufen: Einen Rundturm, eine Kirchenruine, keltische Kreuze, alte Grabsteine voller Moos und Flechten. Auf den ältesten Kreuzen kann man sich ikonologisch schulen und zumindest Adam und Eva relativ klar ausmachen.
Aber soweit muss man erstmal kommen – wenn man es wagt, denn der Parkplatz, mitten im Nichts auf einer grünen Wiese, ist verstörend dicht mit Warnschildern zu Autoknackern, Dieben und lichtscheuem Gesindel bestückt, wie auch der Eingang zum Friedhof selbst. Zumindest in der Nebensaison sieht man überhaupt kein lebendes Wesen, beäugt dann aber zeitweise die umliegenden Gebüsche auf der Suche nach verborgenen Übeltätern.
Auf dem Friedhof selbst wundert man sich dann zunächst über entsorgte Marien (wir haben sie errettet, oder zumindest der Katholik unter uns. Vielleicht wollte er in solch direkter geographischer Nähe zur katholischen Niederlage in der Schlacht am Boyne ja ein Zeichen setzen.).
Und dann kann man sich ungestört an all der irischen Pracht erfreuen. Anfang April zwar noch ohne Laub, aber dafür auch ohne Touristenmassen.
Faules Nutzvieh
Ich kann mich nicht entscheiden, ob dies das faulste oder das effizienteste Schaf der Geschichte ist. Es macht kein Yoga, nein, es weidet – und da ist dieser störende Abstand zwischen Maul und Gras natürlich sehr hinderlich. Einfach aus dieser Anordnung die Beine zu entfernen ist da eine Lösung… mal sehen, ob es sich evolutionär durchsetzt?
Happy St. Patrick’s Day!
Neues Land, neuer Feiertag! Wobei ich gearbeitet habe – und wenn ich nach der Live-Übertragung der Parade gehen kann, die ich während der Mittagspause kurz angeschaut habe, habe ich da auch nicht allzu viel verpasst. Minutenlang zog eine stoisch geradeaus starrende Gruppe von Polizisten mit Polizeihunden neben sich vorbei – wohlgemerkt, nicht als Sicherheitsmaßnahme, sondern als heiteres Paradenelement. Nun ja. Und als dann ein riesiges Huhn mit tanzenden Eiern auftauchte, war die Pause vorbei.
Dafür habe ich mich abends ins Nachtleben gestürzt. Mein Urteil: Wie Karneval, nur in grün.
Keltische Symmetrie III
Ok, das Bild ist von gestern. Das irische Wetter benimmt sich klischeegemäß – nachdem wir gestern am Meer in dünnen Jacken in der Sonne saßen, fiel zehn Stunden später plötzlich Schnee in dicksten Flocken und blieb sogar liegen. Kühl ists – so hatte man mir Irland nicht angekündigt! Wo ist er denn jetzt, der versprochene Frühling?
Ein Delphin! Ein Delphin!
Entzückt war ich bereits – nicht nur, dass ich morgens statt Taubenschwärmen nun grünfüßige Teichhühner treffe, die besinnlich durch den Kanal schwimmen. Oder dass ich nun mit der S-Bahn in 20 Minuten ans Meer fahren kann, anstelle in der schlesischen Verbannung zu wohnen (so hübsch Wroclaw ist, die Anbindung an andere Städte überzeugt mich absolut nicht).
Aber außerdem kann ich am Meer flanieren und vom Pier von Dun Laoghaire herunter plötzlich Delphine sehen! Oder zumindest einen. 3:0 für Irland!
Schaf im Linksverkehr
Wenn man durch Connemara fährt, dann sieht man deutlich mehr Schafe als Menschen. Wenn man sie genauer beobachtet, so merkt man, dass es auch unter ihnen schwarze Schafe gibt (halten wir hier kurz inne, um uns an solch enormem Wortwitz zu erfreuen) – das obige Schaf hält sich brav an die örtlichen Verkehrsregeln, läuft links und bleibt innerhalb des gesetzlich akzeptierten Geschwindigkeitsrahmens.
Die Schafe unten dagegen fallen wohl eher in die Kategorie “wollige Rowdys” und lauern dort, harmlos blickend, Autos auf, um sie aus der Spur zu werfen. Glücklicherweise hat man diesbezüglich ein Warnschild aufgestellt und ihnen so hoffentlich die Tour vermasselt.















