Category: Nadel&Faden&so

Mein Leben als Rochen

Die Rochenjacke

Die neue Nähmaschine kann nicht nur Kleider, sondern auch Jacken, und ich nähe langsam Projekte ab, die ich schon länger geplant hatte – die Burda Easy Fashion H/W 2013 war da ziemlich ergiebig. Einige Ausgaben habe ich mir gekauft, fand bei näherer Betrachtung aber eigentlich alle Muster darin wenig inspirierend, aber bei dieser gefiel mir ziemlich viel.

Bei dieser Jacke war ich erst nicht sicher. Ein wenig unförmig ist sie schon, und auch der Gatte war skeptisch, als ich ihn zu Rate zog. Man muss sich das Schnittmuster nach einer Rasterskizze selber zeichnen, und ich habe es da schon verändert (die Ärmel etwas weniger extrem weit) und dann auch hinterher noch Änderungen vorgenommen (ab etwa der Hälfte des Rückens bis nach unten hin etwa 10 cm Weite weggenommen, da sie vorher komisch abstand – sie ist auch so noch formlos genug 🙂 ). Der Stoff ist ein sehr angenehmer, festerer Jersey von Stoff&Stil und das Ergebnis ist wirklich bequem und sieht getragen irgendwie doch weniger formlos aus, als es ist. Finde ich.

Die Reaktion des Gatten war “Oh, du siehst aus wie ein 80er-Jahre-Rochen!” Da ich letztens im Aquarium Hagenbeck so begeistert von den Rochen war, dass nun sogar ein Mini-Gummirochen meine Computertastatur ziert, kann ich das nur als Kompliment sehen. Und so durfte die Jacke sogar schon nach draußen an den zwei Tagen, an denen das Hamburger Wetter es zuließ – unter eine wärmere Jacke kann man die Rochenjacke nämlich schlecht anziehen, da ist zuviel Stoff an den Ärmeln im Weg.

(Und ab damit zu meinem zweiten MeMadeMittwoch!)

Neue Nähmaschine = neue Kleidung

Kleid - Burda Easy Fashion
Das Kleid, von mir und meinem Photoshopklon gemodelt

Seit Jahren leistete mir meine uralte Aldi-(Singer?)-Maschine recht gute Dienste, und sie hätte sich damals im Aldi bestimmt nicht träumen lassen, wie viele Umzüge ihr noch bevorstanden, als ich sie nach Hause trug. Aber in letzter Zeit wurde sie immer lauter und klappriger, verschluckte sich schon an relativ harmlosen Nähten, um dann urplötzlich einen Satz zu machen (also, nicht die ganze Maschine, nur in der Naht), und befestigte zwar noch immer relativ verlässlich Stofflagen aufeinander – aber leider nicht mehr besonders gleichmäßig. Jersey konnte sie noch nie so richtig, Knopflöcher waren immer eher hmnaja als ansehnlich – und so fiel vor ein paar Wochen dann der Entschluss, dass die Zeit für eine neue Maschine gekommen war.

Und… puh. Ich hätte mir gar nicht vorstellen können, wie groß der Unterschied wirklich sein würde. Erstmal ist die neue (eine Texi Ballerina) verblüffend leise. Nicht nur, dass sie im Gegensatz zur alten nicht klingt, als ob sie bald ihre Motorteile von sich schleudern will – auch der Grundlärm ist geringer und Nähen damit sehr viel erfreulicher für die Ohren. Und dann sehen nicht nur alle Nähte insgesamt gleichmäßiger, sondern auch Nähte auf Jersey mit ihr hübsch und ordentlich aus – der Fachmann im Nähmaschinenshop (oben verlinkt – ich war wirklich SEHR angetan von der Beratung) erklärte mir, dass die alte das durch eine andere Art der Unterfadenführung tatsächlich nie gekonnt hätte. Also spare ich mir fürs Erste sogar die Overlock. (Einziger Nachteil der Maschine: Auf die seltsame Farbgebung hätte ich gerne verzichtet…)

Und mit der neuen Maschine sind auch gleich wieder frische Stoffstapel eingezogen, die umgesetzt werden wollen in Plänen, die ich schon länger im Hinterkopf hatte. Einer davon war dieses Kleid aus der Burda Easy Fashion H/W 2013, das ich etwas abgeändert habe (die Schulterschnittteile zusammengelegt, weil mir das alles zu bunt war, die Ärmel einfarbig, kein Reißverschluss, da aus sehr dehnbarem Stoff). Nachdem ich schon vorher ein Shirt nach einem Burda-Schnittmuster genäht hatte, erinnerte ich mich auch wieder daran, dass die Maßangaben bei Burda in keiner erkenntlichen Relation zu echten Figuren stehen – hätte ich die Maßtabelle befolgt, könnte ich jetzt vermutlich noch jemanden mit ins Kleid nehmen. Aber wenn ich sie ignoriere und einfach immer eine 36 nähe, passt es gewöhnlich ohne weitere Änderungen. Der Stoff ist aus der Restetruhe Bielefeld (die zwar oft schöne Stoffe hat, aber nicht immer Qualitätsangaben dazu…) – der grau gemusterte angeblich Überschuss aus einer Boss-Kollektion, der schwarze ein schlichter schwarzer Sweatshirtstoff.

Ich bin zufrieden! Nun hoffe ich, dass der Nähelan auch für die nächsten Projekte ungebremst bestehen bleibt…

Als Premiere: Gepostet beim Me-Made Mittwoch

Ich bin kein Messie, ich habe nur mehr Ideen als Zeit

T-Shirt-QuiltEs gibt Menschen, die leben bewundernswert minimalistisch, mit stylisch-asketischen Wohnungen und Umzügen, für die man höchstens einen zweiten Koffer buchen muss. (Dieser Gedanke ist ein Indiz, dass ich auf einer ausländischen Insel wohne. Für Festland-Heimatlandbewohner wäre er vielleicht “…für die man höchstens einen Ka für eine Stunde ausleihen muss”.)
Das hat zwar einige Vorteile (dieses skandinavisch-reduzierte Ambiente dank all der leeren Flächen überall; das schnelle Putzen, ohne irgendwas verrücken zu müssen; selten Sachen suchen usw.), aber wirkt andererseits auch ein bisschen uninspiriert: Was macht man denn dann in all dieser endlosen Weite mit seiner Zeit? (Okay, Kindle, Tablet und Laptop bieten vermutlich durchaus Zeitvertreib. Aber trotzdem.)

T-Shirt-QuiltIch werde es vermutlich nie erfahren, aber es scheint mir immer sehr unkreativ, denn meine Logik geht etwa so: Wo ein Minimalist (vermute ich) etwas wegwerfen würde, das er so nicht mehr braucht – sagen wir, ein altes T-Shirt – so scheint mir das eine extrem beschränkte Weltsicht zu sein, denn wenn ich bis zu diesem Punkt auch zustimmen mag (“Das Ding ziehe ich nie wieder an”), so heißt das ja nicht unbedingt, dass es für immer ein T-Shirt (eine Jeans, eine leere Holzkiste, eine leere Flasche) bleiben muss. Auch wenn es seinen primären Dienst erfüllt oder ein Loch hat: Vielleicht kann es ja noch was anderes?

Probleme macht das erst, wenn man zwar eine lange Liste von Ideen hat, was aus dem T-Shirt (oder sonstigen Objekt) noch werden könnte, aber nur begrenzt Stauraum zur Verfügung steht und/oder man außerdem noch arbeitet (…oder Vollzeitbraut ist… hust) und danach manchmal nur stumpf herumsitzen möchte, ohne all den grandiosen Ideen nachzugehen, die sich da so (in den Ecken und im Hinterkopf) angesammelt haben. Das wirkt auf Menschen, die eher in die Minimalismus-Kategorie fallen (oder alles immer sofort umsetzen) dann vermutlich nach sinnlosem Horten von Ramsch. (Pah!) Und auf die, die Dinge gerne “richtig” machen, nach kompletter Anarchie, da ohne Anleitung und Vorlage und ohne Planung.

Mögen sie alle denken, was sie möchten! Aber auch ich hätte meine Ecken gerne leerer, und so habe ich mich daran gemacht, einige dieser Projekte in Angriff zu nehmen, die bisher nur als Ramschhaufen mit Potenzial existieren. In der englischsprachigen Blog-Welt gibt es dafür das Wort “Upcycling” – leider fällt mir dafür keine gute Übersetzung ein (“Aufwerten durch Wiederverwerten” ist ein bisschen zu lang), also bleibe ich mal bei Denglisch.

T-Shirt-Quilt

Eins dieser Projekte: Ein T-Shirt-Quilt aus allem, was sich so an formlosen, zu kurzen Erinnerungsstücken über die Jahre angesammelt hat. (Amerikanische Arbeitgeber sind da besonders gefährlich, und in den USA gibt es tatsächlich Menschen, deren Arbeitskleidung ausschließlich aus solchen T-Shirts besteht. Also, obenrum. Hosen haben sie schon dazu an.)

Ein wenig Surfen im Netz brachte einen Grundstock an Fachwissen, und so ist der Stand der Dinge folgender:

  1. Puh, das ist deutlich mehr Arbeit als angenommen. Zwar soll es kein akkurat abgezirkelter Wunderquilt werden, aber auch kein schlabberiger Sack. 
  2. Also habe ich beschlossen, alle Einzelteile gleich breit zu machen und die Höhe dem jeweiligen Motiv anzupassen. (Und die Breite habe ich relativ zufällig festgesetzt, in etwa nach dem breitesten Motiv.)
  3. Da einige der T-Shirts extrem dünn und Jerseystoff ohnehin nicht gerade stabil ist, mache ich mir die Mühe, auf alle Teile Vlieseline aufzubügeln. (Dabei kann man ziemlich gut sehr lange Serien gucken.)
  4. Und damit das Ganze dann auch hübsch ordentlich wird, waren sich alle Quiltblogger einig, dass Scheren nicht die Waffe der Wahl sein sollten. Also kann man dann mit Schneidrad und Gummimatte die Serien weitergucken. (Hauptsächlich Dawson’s Creek und How I Met Your Mother auf Netflix.)
  5. Und das dauert dann alles doch noch länger, als man vermutet hatte.
  6. Aber sobald man dann einen respektablen Stapel an verstärkten, rechtwinkligen T-Shirt-Kunstwerken hat, kann man sich erst ein bisschen freuen, wie schön ordentlich sie aussehen und sie dann schon einmal probehalber auf dem Küchenboden auslegen und vorausplanen.
  7. Ein paar fehlen wohl noch – einige T-Shirts müssen auch erst noch verwurstet werden. Gut, dass mir noch einiges an Serien bleibt!
  8. Der nächste Schritt wird dann das Aneinandernähen, sobald ich mich für ein Layout entschieden habe.
  9. Und dann weiß ich schon, dass das Flanelllaken vom Foto dahinter kommt, weil einige der Stoffstücke doch höchst durchsichtig sind.
  10. Aber ein paar Entscheidungen treffe ich dann, wenn ich soweit bin: Mache ich eine Decke dahinter? Wenn ja, was für eine? Nähe ich noch einen Rand drumherum? Und wie quilte ich das Ganze dann am Ende?

Naja, und dann ist die Frage, wann es überhaupt soweit kommt – es ist ja nicht so, als wäre das das Einzige, was man mit alten T-Shirts machen kann. Oder als ob sich die Stapel in den Ecken auf T-Shirts beschränken würden…

Stilvolles neues Jahr, liebes Internet

2013-farbig
Mehrfach habe ich in den letzten Wochen in den Medien erfahren, dass Pantone die Farbe des Jahres 2013 angekündigt hat: Das neue Jahr, so erfuhr ich, wird smaragdgrün. Ich muss zugeben, dass ich durch 2012 gekommen bin, ohne mich an “Tangerine Tango” zu orientieren in all meinen farblichen Entscheidungen, aber nun denn – heute bin ich vorbereitet und gehe farblich optimal abgestimmt in den 1. Januar, dank eines fröhlichen Nachmittags voller Fimo-Gematsche. Das hatte ich seit etwa 20 Jahren nicht  mehr gemacht und wollte eigentlich etwas ganz anderes basteln – aber wenn man den Ofen schon einmal anwirft, sollte es sich ja lohnen, für einen halben Kubikzentimeter Fimo schiene mir das doch etwas übertrieben. (Ergebnisbericht folgt.)

Ansonsten ist der Neujahrstag ruhig (und regnerisch): Herumsitzen, die alljährliche Diskussion, dass das Grauen des Traumschiffguckens obligatorisch ist und wichtig, damit ich als Auslandsdeutsche nicht den Kontakt zur deutschen Kultur verliere (hehe) und weil der Herr Verlobte ja immerhin GEZ-Gebühren dafür bezahlt hat, und weil das gemeinsame Echauffieren durchaus unterhaltsam ist. (Für die nachfolgende Spinoff-Serie reichte unser Interesse dann nicht mehr, obwohl es, soweit ich es verstand, um total heitere Hochzeitsplaner auf einem Kreuzfahrt geht, was wir ja in gewisser Weise als Bildungsfernsehen hätten betrachten können.) Statt dessen widmen wir uns nun höherer Kultur (“Zombieland” im Privatfernsehen, besser als von mir befürchtet) – und außerdem melden sich meine guten Vorsätze und ich habe brav eine Seite in meinem Moleskine-Kalender-cum-Skizzenbuch gefüllt UND verfasse jetzt einen Blogeintrag. Jawohl! Frohes Neues, allerseits!

Für immer alleine?

forever alone?
V.l.n.r.: Kalajoki, Verdigris, Knucks

Ich glaube, ich habe ein kleines Problem, wenn es ums Stricken von zweiteiligen Dingen geht: Meist komplettiere ich eins und widme mich dann neuen, aufregenderen Dingen (zum Beispiel einem anderen Projekt, das zwei Teile benötigt, um nützlich zu sein. So habe ich jetzt einen einzelnen Socken (Muster: Kalajoki), einen Pulswärmer, der gleich den gesamten Unterarm mitwärmt – “och, einmal wiederhole ich das Muster noch”, dachte ich mir, und da ward es gleich deutlich länger – Muster: Verdigris) und einen fingerlosen Fingerhandschuh (jaha), der schon seit 2006 Single ist (Knucks) und bei dem ich genau so lange überlege, ob und was ich da auf die Finger sticke, falls ich je eine zweite Hälfte komplettiere. Da ich aber gerade ein einem Pullover stricke, habe ich wahrscheinlich noch Zeit, um weiter darüber nachzudenken.

16.4.12

Ein wenig spät vielleicht, aber mein Schal ist endlich fertig. Die Wolle hatte ich vorher zu einem formlosen Jäckchen verstrickt (mein Scheitern erkannte ich erst, als es schon fertig war…) und dann tapfer wieder aufgeribbelt und zu einem weniger komplizierten Kleidungsstück verarbeitet – da es seine Form durch die Anstecknadel erhält, konnte da nicht viel schiefgehen. Und in Irland kann man auch im April noch gut Wollkleidung gebrauchen. Das Muster ist hier.

3.3.12

Schal ist fertigNa, das strickte sich flott. Ich kann meinen neuen Schal also noch zwei Tagen zum Brunch im Café um die Ecke ausführen.

Drei Dinge sind hier bemerkenswert: Erstens treffen sich hier in der Expresso Bar (sic!) angeblich irische VIPs. Ich gebe zu, dass ich davon viele gar nicht kenne (dazu lese ich nicht ausreichend die entsprechenden Gala-Äquivalente. Also, eigentlich nie.) und Bono, den ich vielleicht erkennen würde, hier noch nie gleichzeitig mit mir seine Eggs Bénédict bestellt hat, auch wenn er hier Stammgast sein soll. Zweitens: Irische Frauen, die gewöhnlich gestylt wie für eine Promihochzeit auf die Straße gehen, machen beim Brunch eine Ausnahme. Ich bin jedes Mal hier verblüfft über die Menge an Jogginganzügen und nicht ausgekämmten Toupier-Frisuren vom Vorabend. Drittens: He, ihr tut hier, als wäre das hier irgendwie ein Geheimtipp. Also wieso ist in letzter Zeit grundsätzlich das Essen kalt? Grummel. Na wenigstens ist mein Hals schön warm.