Category: Straßenkunst

Seid nett zueinander

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Dublin hat recht wenig zu bieten, wenn es um Graffiti geht (angenehm insofern, als nicht überall häßliche Tags das irische Idyll stören, schade aber, was sehenswerte Straßenkunst anbelangt). Also freute es mich, als am Kanal plötzlich an einer besonders tristen Stelle ein wenig Dekoration auftauchte.

Fensterln à la Polonaise

Fassadenpoesie

Fassadenpoesie

Fassadenpoesie

So sehr ich mich freue, dass immer mehr Häuser in meiner Nachbarschaft vor dem sicheren Tod durch Zerbröckeln gerettet werden – es war in letzter Zeit schon beunruhigend, wie viele halbe Balkone nach einem Sturm auf der Straße lagen – solch Fensterpoesie (subfenestrales Grafitti scheint hier eine eigene Kunstform zu sein, vgl. letzter Eintrag) wirkt an frisch gestrichenen Fassaden deutlich weniger eindrucksvoll.

Gebrauchsanweisung für Polen

Fassadenpoesie

Uneingeweihte Reisende in Polen sehen sich früher oder später mit einer plötzlichen und unerwarteten Identitätskrise konfrontiert: Was bin ich nur? Ein Kreis oder ein Dreieck? Und zumeist wird diese Frage aufgeworfen, wenn ihre Beantwortung dringlich und unumgänglich ist – an Fensterfassaden seltener. Nein: Es sind Toilettentüren, die plötzlich eine semiotische Barriere bilden, wenn man sie am wenigsten erwartet. Kritische Selbstbetrachtung führt nicht unbedingt zu einer zuverlässigen geometrischen Selbstklassifizierung – sowohl Männer als auch Frauen haben in meiner Gegenwart bereits überzeugend argumentiert, ein Kreis bzw. Dreieck zu sein, ohne immer richtig zu liegen.
Was bleibt also? Entweder, man rechnet sich eine 50:50-Chance aus und öffnet eine Tür. Oder man fragt jemanden. Oder: Man liest mein Blog, denn ich gedenke, nunmehr das Geheimnis zu lüften. Wohlan!
Liebe Damen, Ihr seid ein Kreis. Liebe Männer, als logische Folge seid Ihr hinter dem Dreieck besser aufgehoben.
– Und warum das Bild von den Fenstern? Nur so. Sie sind bei mir um die Ecke und amüsierten mich kurz.